Too old to rock’n roll

von FDSFDS (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

von FDSFDS (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Dieses Internet, dachte ich und war mir dabei sehr wohl der Tatsache bewusst, dass ich da nicht gerade einen originellen Gedanken produziert hatte. Neben Katzenfotos tragen internetkritische Überlegungen vermutlich erheblich zum weltweiten Datenverkehr bei. Ich schließe mich all diesen Gedanken an und akzeptiere auch Katzenfotos, falls die Katzen dabei ihr Fell anbehalten dürfen und nichts geschieht, was sie anschließend bereuen könnten.

Mein Seufzer galt allerdings einer speziellen Wirkung des Internets, einer, die im Zusammenhang mit Musik steht. Seit ich wieder einen Plattenspieler besitze, höre ich mir oft alte Schallplatten an.

Oh je, wenn ich lese, was ich da schreibe, dann denke ich an den Plattenschrank meines Onkels. Ein poliertes Möbelstück, Nussbaum vielleicht, mit Türen und Klappen, oben drauf ein Radio, in einem Fach ein Plattenspieler, darunter ein Plattenständer, so einer, in den die Singles gestellt wurden. Da stand dann Freddy neben Gitte, Fred Bertelmann mit seinem lachenden Vagabunden neben dem Orchester Billy Vaughan. Außerdem gab es noch ein paar Schellackplatten, Little Richard zum Beispiel. Ob Elvis dabei war, weiß ich nicht mehr sicher.

So ähnlich muss auf meine Töchter wirken, was ich da veranstalte. Die meisten meiner Schallplatten sind inzwischen auch schon gut vierzig Jahre alt. Ich hasse es, diese Zahl aufzuschreiben. Was das mit dem Internet zu tun hat? Wenn da also eine popmusikalische Perle aus den späten Sechzigern läuft, sagen wir mal The Small Faces, dann googelt man und siehe da, es sind alle tot, bis auf den Schlagzeuger Kenney Jones.

Die Überlebenden bereiten einem auch nicht die rechte Freude. Die sind jetzt Manager in der Musikindustrie oder ziehen mit irgendwelchen merkwürdigen Revival-Truppen über die Schützenfeste. Das gehört verboten. Zuallererst aber ist streng zu verbieten, dass es Bild- und Tonaufnahmen dieser Größen von einst gibt. Ältere Herren mit mehr Bauch als Stimme, mehr Falten als Haaren kann man zugestehen, im privaten Kreis an ihre früheren Erfolge zu erinnern, aber es ist Hochverrat an der Idee des Rock’n Roll, wenn sie sich auf eine Bühne stellen und Forever young singen. Es ist eine Sache, dass ich alt werde, aber die eigenen Idole von damals? Ehemalige Mitschüler sind wenigstens verschollen! Aber nein, das Internet zeigt sie uns, Wikipedia hat sie alle, von youtube ganz zu schweigen.

Ich glaub, ich steige ganz auf Jazz und Klassik um. Da waren die Künstler schon immer alt.

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23 Gedanken zu “Too old to rock’n roll

  1. *schmunzel*
    Wie wahr!

    Ich habe meinen Plattenspieler und meine Vinyls nie eingemottet, verkellert oder gar ausgemustert, auch wenn einige immer wieder sagten: simplify your life! Dann erst recht nicht!

    Und, Manfred, wer hätte daaaas gedacht: heutzutage sind Vinyls sogar schon längst wieder IN!

    Liebe Morgengrüße vom Lu

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  2. Lieber Herr Voita!
    Das stimmt. Mozart und Co.halten sich optisch wirklich gut.
    Glücklicherweise bleiben einem noch die alten Schallplattencover aus den Rock Roll-Zeiten mit den großen Passfotos der damaligen Musiklieblinge. Da hat man auch etwas Handfestes. Und bis auf ein paar Knicke und Falten auf der Schallplattenhülle sehen sie immer gleich aus. 🙂
    Herzliche Grüße an den Grammophonhund
    Mallybeau

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  3. Letztens irgendwann sah ich im TV den britischen Schlagersänger Graham Bonney und mich erfasste großes Mitleid. Was ist das für ein Los, längst über das Rentenalter hinaus zu sein und immer noch „Hey, Super Girl!“ zu singen. Das ist ja quasi lebenslänglich verdammt zu sein, von den Resten des Erfolgs zu zehren, den man in jungen Jahren hatte. Alles was der Mann in seinem Leben geleistet hat, ist ein Kirmeslied zu trällern. Das ist so traurig.
    Was ich auch absurd finde, es ist die Verdammnis über den Tod hinaus. Kaum ist ein Popstar gestorben, muss er im Radio singen, im TV sogar wieder auftreten. Die Medien feiern weiterhin seinen Geburtstag (vor zwei Jahren: „Elvis wird 80“), als wäre er nie gestorben.
    Fie leichte Verfügbarkeit alter Popmusik entwertet sie auch, wie alles, was leicht zu haben ist, seine Bedeutung verliert.

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    • Du sprichst da einen Aspekt an, den wir, mit dem wir meine ich eine ganze Generation, damals übersehen haben. Natürlich ist Pop – und Rock ist nichts anderes als Pop – zuerst und zuletzt Zirkus und Geschäft und nicht ein Aufruf zu Jugendrevolte. Die Zuschreibung von Rollen, die wir einst für die Stones oder Ton, Steine und Scherben vornahmen, war schon immer falsch, marketingtechnisch natürlich perfekt. Graham Bonney als Marke steht eben leider nur für ein oder zwei Hits und muss dann lebenslänglich sein Super Girl besingen. Ein schönes Beispiel! Billy Mo, eine vergessene Größe des Schlagers, zog mit seiner Trompete durch die Festzelte und sang sein ‚Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut‘. Was für eine Demütigung – die nun dank youtube auch unvergessen bleibt.

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  4. „Too Old to Rock ’n’ Roll: Too Young to Die!“ … hat eine LP von Ian Andersons Gruppe Jethro Tull schon 1976 geheißen. Man siehe https://www.youtube.com/watch?v=Rwn0R1PFUwU
    Der Herr tourt, nebenbei bemerkt, heute immer noch.

    Im Jazz werden die Künstler, sehen wir die Nachrichten der letzten Tage über Al Jarreau oder Larry Coryell, leider auch immer weniger.

    Bleibt die Klassik. Da waren die Musiker scheinbar schon immer tot …

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    • Gestern abend habe ich mich wieder in der ARTE-Mediathek verheddert, Geschichte des Micros und Geschichte der Rille über Walkman bis MP3. Dylan ganz jung und Bootlegs von Grateful Dead (!). Und Ältere wie ich – ohne Haare aber mit Bauch 🙂 – können sagen: Dabeigewesen, abgehört. – Forever Young darf nun die Jugend singen: im Internet, in der Tube.

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  5. Nun ja, von wegen Alter. Entweder will niemand von den Jungen mit Joe Bonamassa spielen, oder die alten Cracks sind immer noch die Besten: Reese Wynans, Lee Thornburg, Anton Fig (gibt es echt bessere Drummer?), Michael Rhodes.
    Aber vielleicht bin ich einfach auch schon zu alt, respektive Joe Bonamassa einfach noch etwas zu jung. Meine Nichte schien jedenfalls nicht besonders interessiert an der Einladung zu einem Konzert 😉

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