Feierabend

Foto: Amelie Voita

Foto: Amelie Voita

 

SCHWEIGENDE FAHRGÄSTE

Die Fremden, mit denen ich fahre,
Gezwungen einander gesellt —:
Aus jedem Augenpaare
Träumt eine andere Welt.

Doch wie ich mich allen verbinde
In schweigender Rätselei,
Irr ich vielleicht. Doch ich finde:
Man wird versöhnend dabei.

Joachim Ringelnatz

 

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11 Gedanken zu “Feierabend

  1. Ringelnatz brachte seine Eindrücke seines Reisens auf den Punkt. Man schweigt und versöhnt sich dabei mit dem Schweigen der anderen.
    Inzwischen verging ein Jahrhundert und nun schweigen Fahrgäste nicht mehr. Sie telefonieren. Suchen den Kontakt mit Menschen, die sich außerhalb der Enge des Waggons befinden. Selten sprechen sie mit jenen, die neben oder vor ihnen sitzen.

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    • Das ist sicher richtig, ich selbst habe ja auch sofort den Kopfhörer auf und höre mein Hörbuch. Aber gerade nach Feierabend ist da doch schon ein Schweigen, eine Erschöpfung, mal ein Anruf, mal der Blick aufs Display, aber eher kein Gespräch.

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  2. Das Foto mit seiner faszinierenden Zentralperspektive lässt mich fragen, ob es nicht gefährlich war, wo die Fotografin gestanden hat? Und sieht man Morgen- oder Abendrot? Es könnte beides sein, obwohl deine Überschrift „Feierabend“ die Bildaussage eindeutig macht. Der Feierabend bringt zum Schweigen, weil die meisten müde von der Arbeit nur noch nach Hause wollen.
    Beim Gedicht vom Anfang der 1930-er Jahre muss ich an unsere Blogfreundin Mitzi und ihre „U-Bahngedanken“ denken.

    Gefällt 2 Personen

  3. Ein schönes Gedicht. Dass es gerade mir gefällt, verwundert wohl nicht. 😉 Kompliment an die Fotografin. Ein sehr gelungenes Foto.
    Heute fügt sich alles. Gerade berichtete ich bei Jules über meine Pflanze, die ebenfalls den Namen Amelie trägt.

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  4. Dieses Gedicht könnte der Ringelnatz heute nicht mehr so schreiben. Wer guckt denn noch träumend durch die Gegend? ? Ich zähle oft, manchmal schmunzelnd, manchmal kopfschüttelnd: ‚Smartphone‘ gegen ‚kein Smartphone‘. Und wenn mal einer ein richtiges Buch in der Hand hat, staune ich.
    Ja, das Foto ist wirklich toll, ganz wunderbar auch in Groß: die Perspektive, der Kontrast zwischen romantischen Sonnenuntergangsfarben und Verdrahtungen in der Großstadt. Das reizt mich auch immer.
    Liebe Grüße, Ingrid

    Gefällt 1 Person

    • Stimmt schon, das Smartphone dominiert im Zug oder im Bus, ab und an ist auch mal ein E-Book-Reader dabei. Im Zug ist es meistens so voll, dass es kaum möglich ist, ungestört ein Buch zu lesen, trotzdem gibt es da immernoch ein paar hartnäckige Leseratten. Danke für deine freundlichen Worte zum Foto, meine Tochter wird sich bestimmt darüber freuen!

      Gefällt 1 Person

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