Vorwärts, egal wohin!

von Bernd Schwabe in Hannover (photograph), Fritz Gottfried Kirchbach (1888-1942, poster) (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder Public domain], via Wikimedia Commons

von Bernd Schwabe in Hannover (photograph), Fritz Gottfried Kirchbach (1888-1942, poster) (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder Public domain], via Wikimedia Commons

„Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas – : vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.“

Kurt Tucholsky: 16 Satiren – Kapitel 13

Also wenn das nicht blöd ist! Da regiert Frau Merkel mit ihrer C/D/S/U mit wechselnden Partnern, also in so einer Art politischem Swingerclub und jetzt, wo wir uns langsam daran gewöhnt haben, jede Hoffnung auf Veränderung aufgegeben und das Achselzucken als äußerste Form des außerparlamentarischen Widerstands akzeptiert haben, schickt uns ein gewisser Herr Schulz wieder auf eine emotionale Achterbahn.

Manche, möglicherweise sogar viele im Lande heben die Köpfe, wittern, nein, nicht gleich Morgenluft, vielleicht eine Chance, dass sich etwas ändern könnte. Und ja, die Chance ist da. Gut, die wäre auch da, bekäme Frau Merkel die absolute Mehrheit. Irgendwas ändert sich schließlich immer – und seien es nur das Datum und die Uhrzeit. Aber wider besseres Wissen, wider alle Erfahrung, hoffen wir, also einige vielleicht, dass es zu einem Diskurs kommen könnte, zu einem Gespräch darüber, wohin diese Gesellschaft will, was gut und was schlecht an diesem Land ist und was geändert werden müsste, geändert werden könnte.

Ja, wir kennen die SPD und ihre Geschichte, wir wissen, dass Sozialdemokraten nicht grundsätzlich schlechte Menschen sein müssen, aber wir wissen auch, dass diese Partei nicht gerade dazu neigt, sich auf die Seite der Schwächeren zu stellen, auf die Seite der Zeitarbeiter, Minijobber, Mindestlohnempfänger, Arbeitslosen, der ALG II-Empfänger, der Einwanderer, der Alten und Armen im Lande, sondern dass sie ihren Markenkern darin sieht, Reformen auf Kosten des schwächeren Teils der Bevölkerung durchzuziehen. Reformen, die sonst eben von der Union gemacht werden müssten. Gut, die Motive der SPD sind andere, das Ergebnis ist das Gleiche.

Mit Schulz als Chef der künftigen großen Koalition werden die Reden lebhafter, die Emotionen am Minenspiel erkennbar… obwohl: Inzwischen wissen wir die Mundwinkel der Kanzlerin zu lesen, wissen minimale Veränderungen als tobendes Gefühlschaos zu interpretieren. Da brauchen wir keinen Schulz, der uns seiner Empathie versichert, während er uns TTIP verkauft. Da werden wir doch lieber eiskalt abserviert. Und trotzdem hoffe ich, dass nach der nächsten Wahl die SPD den Kanzler stellt. Also wenn das nicht blöd ist.

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4 Gedanken zu “Vorwärts, egal wohin!

  1. Schwarz, Rot, Grün ist die Mitte – oder kommt da noch etwas Blau-Gelbes aus dem Boden geschossen? Alles wählbar – und auch wieder nicht. Rechtsaußen? Igittigitt! Linksaußen? Naja, eher schon, aber so wirklich auch nicht. Was bleibt? Der Griff in die Traditionenkiste, in der Hoffnung, dass etwas „Messbares“ dabei herauskommt …

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