Tumbas

Von Hpschaefer www.reserv-art.de - File:Nooteboom,-Cees Koeln 170311.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21981457

Von Hpschaefer http://www.reserv-art.de – File:Nooteboom,-Cees Koeln 170311.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21981457

„Die meisten Toten schweigen. Sie sagen nichts mehr. Sie haben – buchstäblich – alles gesagt. Das gilt nicht für Dichter.“

Cees Nooteboom

Promis gucken auf dem Friedhof? Klingt, wenn man es so formuliert, nach einer seltsamen Marotte. Einer, zu der ich mich auf diesen Seiten schon mehrfach bekannt habe. Nun habe ich festgestellt, dass ich mich da in guter Gesellschaft befinde. Cees Nooteboom, ein auch in Deutschland nicht unbekannter niederländischer Lyriker und Reiseschriftsteller, war mit der Fotografin Simone Sassen unterwegs zu den letzten Ruhestätten vieler Geistesgrößen. Ich nenne nur mal Borges, Dante, Flaubert und Goethe.

115 Schwarzweißfotos zeigen Grabsteine, Inschriften, manchmal eine Gruft. Mag sein, dass Schwarzweißfotos künstlerisch oft interessanter sind, mag auch sein, dass es dem Gegenstand geschuldet ist. Nooteboom stellt die Großen manchmal nur mit einem kurzen Auszug aus ihrem Werk vor, ein anderes Mal trägt er ein eigenes Gedicht bei oder lässt uns an seinen Gedanken teilhaben, Gedanken zu einem Ort, zu einem Menschen.

Ich habe das Buch nicht gelesen, wie man andere Bücher liest, nicht Seite für Seite, sondern eher so, wie man mit einem Nachschlagewerk arbeitet. Bei manch einem Grab wird mir – und das erklärt vielleicht auch, warum mich diese Gräber interessieren – erst wirklich klar, dass es diesen Menschen wirklich gegeben hat, dass er nicht, wie seine literarischen Schöpfungen, eine Fiktion ist.

Für alle, die auch mal schauen und lesen wollen, hat Cees Nooteboom neben seinem eigenen Buch auch noch einen interessanten Link parat: www.findagrave.com

Für Deutschland hätte ich auch noch einen Tipp. Auf http://wo-sie-ruhen.de/ steht eine App zur Verfügung, mit der sich die historischen Friedhöfe erschließen lassen. Nicht nur die Gräber, sondern auch ihre Lage auf dem jeweiligen Friedhof sind hier dargestellt.

Cees Nooteboom: Tumbas

Gräber von Dichtern und Denkern
mit Photographien von Simone Sassen.
aus dem Niederländischen von Andreas Ecke.

SchirmerMosel 2016

 

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21 Gedanken zu “Tumbas

    • Hab beim Lesen auch an Celan gedacht: „wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng“. 72 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee. Friedhöfe sind wie Archive oder Bibliotheken Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit Geschichte, die nach Marx gleichzeitig aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besteht. Nur der Mensch ist ein historisches Wesen, ob tot, lebendig oder nur bzw. glücklich vorgedacht.

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      • N.b.: Bei den Skulptur Projekten Münster 2017 wird es eine Soundinstallation geben, Ausgangspunkt das Grab von Moondog, ein höchst seltsamer Komponist, auf dem Zentralfriedhof, den zu besuchen ich auch ohne dieses Fakt sehr empfehle. Eine schöne Ruhe, und berühmte wie toll gestaltete Stätten auch.

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  1. Ein kleiner Bericht zum Thema:

    Rosenmontag lernte ich in einer Kneipe im Kölner Severinsviertel einen Mann kennen, der eine Kalenderdruckerei hatte. Er ließ die Nase hängen wegen seiner Frau, doch wurde wieder richtig fröhlich, als er mir von einem Begräbnisverein erzählte, dessen Gründungsmitglied er war.
    „Wie kommt man darauf, einen Begräbnisverein zu gründen?“, habe ich gefragt.
    „Wir haben uns gesagt, aus dem Alter, dass wir Hochzeiten und Kindstaufen feiern können, sind wir raus. Was jetzt noch kommt, sind Beerdigungen. Darum haben wir den Begräbnisverein gegründet.“
    „Und was macht ihr so?“
    „Wir besichtigen Friedhöfe, und letztens haben wir ein Krematorium besucht“, sagt er. Und wie er sich so erinnerte an die ganze Technik in einem Krematorium und dass nach der Leichenverbrennung in der Asche noch die Knochen rumliegen, konnten ihm auch die Karnevalswagen vor den Kneipenfenstern die Laune nicht mehr verderben.

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  2. Den ersten Link kenne ich schon, danke für den zweiten. Ich liebe Friedhöfe, wenn es mir auch nicht immer um Prominente geht, sondern eher um fotografisch interessante Motive, marode Engel und so was.

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