Eiche an der Ems

Foto: Leonie Voita

Foto: Leonie Voita

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Joseph von Eichendorff: Winternacht

Ja. Ein echter Eichendorff. Winterlich, der Baum im Feld, der vom Frühling träumt. Der Wind, der die Wipfel rüttelt. Alles gut. Aber das passt überhaupt nicht zu dieser optimistischen Eiche, die da stolz an der Ems steht. An einem wunderschön klaren und kalten Wintertag, an dem ich gern noch etwas auf den Frühling warten kann. Ein paar Stunden wenigstens.

Advertisements

13 Gedanken zu “Eiche an der Ems

    • Danke.Ich dachte mir, wenn wir eine Eiche, meine Lieblingseiche übrigens, fotografieren, dann muss auch ein anerkannter Fachdichter für Eichen her, der einen ordentlichen Text beisteuern kann. Also Eichendorff. Joseph von Eichendorff war halt Romantiker, da geht es dann schon mal etwas dramatischer zu, als die brave Warendorfer Natur es hergibt.

      Gefällt 1 Person

    • Ohne Winter, ohne Jahreszeiten, würde mir auch etwas fehlen. Poetische Seiten? Ja, die hat der Winter, aber in der Schweiz ist er vermutlich einiges eindrucksvoller, als das, was bei uns nach einem Schneetag dann noch so in der Gegend herumliegt. Ein zugefrorener See mit Schwänen, Enten und anderen Wasservögeln, die sich darauf zur Ruhe gesetzt haben: Ganz nett. Aber mehr brauche ich auch nicht, auf mehr bin ich nicht eingestellt. Da ich zwar manchmal ein Auge für ein interessantes Motiv, aber weder eine gute Kamera noch eine ruhige Hand habe, bitte ich regelmäßig meine Damen, mir mit ihren fotografischen Fähigkeiten auszuhelfen. Diesmal war es meine Tochter Leonie.

      Gefällt 1 Person

      • Dann geht mein Kompliment natürlich an Deine Tochter.
        Und was die Schweiz betrifft: ich war bis vor ein paar Tagen in Dresden und da hatte es sehr viel mehr Schnee als hier in Basel, wo es gerade wieder ziemlich grau ist. Die Inspiration für meine winterlichen Stimmungen kommt jedenfalls im Moment aus Deutschland, wenn ich mal von der bissigen Kälte absehe. Die haben wir hier auch 🙂

        Gefällt 1 Person

    • Ja, Türen und Fenster aufreißen können, auch mal auf einer Bank sitzen und einen Kaffe trinken! Ein bißchen Winter, klare Tage mit Kälte und Sonne, gut gegen Kopfschmerzen, aber das muss ja nicht gleich wochenlang so sein.

      Gefällt mir

      • Ja, alles hat seine guten Seiten. Der Lieblingsbaum meiner Mutter war übrigens die Ulme, stand beim Elternhaus wunderschön im Garten. – Ich bevorzuge – trotz alledem – die Birke. Schimmert immer weiß wie Schnee … 🙂

        Gefällt 1 Person

  1. Eichendorff spricht von einem Baum in diesem Gedicht, jedoch bleibt unerwähnt, dass es sich dabei um eine Eiche handeln würde. Mit großer Wahrscheinlichkeit meinte er in seiner poetischen Anschauung eine andere Baumart, denn die Eiche (wie am Foto als noch laubtragend zu sehen) wirft gewöhnlich erst im nächsten Frühjahr ihr (eingetrocknetes) Laub ab. Faszinierende Eiche!

    Gefällt 1 Person

    • Ja, die meisten Eichen tragen tatsächlich noch Laubreste, obwohl gerade die in der Nachbarschaft des prächtigen Baumes fast alle gänzlich kahl sind. Wenn man Eichendorff heißt, kann man doch unmöglich über andere Bäume schreiben, oder? Dann könnte man ja auch gleich Fichte heißen!

      Gefällt 1 Person

  2. Verstehe ich nicht – warum soll Eichendorffs Baum nicht optimistisch sein? Ist halt tatsächlich ein typischer Eichendorff und das Gedicht endet eben typisch Eichendorff mit einem positiven Ausblick, der auch hier, wieder typisch Eichendorff, christlich grundiert ist. Der Ausblick auf den Frühling ist, könnte man sagen, nicht nur jahreszeitlich, sondern das Jahreszeitliche selbst ist Zeichen für den christliche Heilsoptimismus, die Heilsgewissheit ….

    Gefällt 1 Person

    • Dieser winterliche Baum träumt vom Frühling, aber er steht da, verlassen, kahl, dem Wind ausgesetzt. Das ist nicht optimistisch, das ist das Leiden an der Welt und der Traum vom Frühling, der sich auch nur dann erfüllt, wenn nicht vorher der Sense-, pardon, Sägemann kommt.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s