Gut gemeint

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von Jebulon (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Durch CETA, vielleicht erinnert sich noch jemand, das Abkommen, das uns ungeheures Wachstum und mindestens ewigen Wohlstand bringen wird, durchgedrückt von Gabriel und der EU, sahen 20 % der Befragten eher Vorteile für Deutschland, der Rest erwartete Nachteile, hatte keine Meinung oder sogar noch nie etwas von CETA gehört. Unklare Haltung nennt das ZDF so etwas.

Das ZDF-fragte ebenfalls, wie es in Deutschland um die soziale Gerechtigkeit bestellt ist. 2 % der Befragten waren der Auffassung, dass es in Deutschland sehr gerecht zugeht, 43 % meinten immerhin, es gehe gerecht zu. Ebenfalls 43 % glaubten allerdings, dass es sozial ungerecht zugeht und 11 % fanden es sogar sehr ungerecht. Mit anderen Worten: 54 % der Befragten sagten, dass es in Deutschland nicht gerecht zugeht.

Im Januar 2017 hat das ZDF die Bundesbürger danach gefragt, ob bei uns genug zum Schutz vor Terror getan wird. Der Anschlag in Berlin lag noch nicht lange zurück, so ist es kaum verwunderlich, dass 51 % meinten, es werde nicht genug getan.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer solcher Befragungen haben offenbar lustige Auffassungen zu allen möglichen Dingen und der Politik und den Medien gehen diese Auffassungen in den allermeisten Fällen auch am Barsch vorbei. Es gab keinen Aufstand, nein, auch nicht in der CSU, weil 54 % nach mehr sozialer Gerechtigkeit fragen. Nach christsozialer Gerechtigkeit vielleicht sogar. Seehofer hat jedoch nicht mit Bürgerkrieg oder wenigstens Hungerstreik gedroht, nicht mal die Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU angekündigt . Wundert uns das? Nein, denn diese 54 % sind ganz sicher eine linksradikale Minderheit, die verfassungs- und wirtschaftsfeindliche Bestrebungen im Sinn hat. Oder man muss ihnen einfach mal ernsthaft ins Gewissen reden, denn Marktwirtschaft und soziale Gerechtigkeit sind nun einmal zwei grundverschiedene Dinge, die sollte man nicht leichtfertig miteinander in Verbindung bringen, sonst funktioniert halt eins von beiden nicht mehr gut. Also lassen wir das doch bitte.

Nächstes Thema: CETA. Haben wir auch nicht verstanden, der Gabriel, der Juncker und der Schultz wollten das, wenn es schief geht, schieben wir es der EU in die Schuhe, wenn es gut geht, war es die Kanzlerin. Aber die Terrorgefahr…uuuuu…  51 % meinen, es wird nicht genug dagegen getan. 51 %! Das ist die Mehrheit! Die kann man, die darf man nicht ignorieren.

Da muss man etwas tun. Aber plötzlich. Gesetze. Terror verbieten. Lückenlose Videoüberwachung. Fußfesseln. Abschiebungen. Bundeswehreinsatz im Inneren. Jetzt nicht gleich personalintensive Maßnahmen, die sind langfristig teuer, sonst jedeoch alles, was sich mit Papier und Drucker erledigen lässt, also das Thema, das machen wir jetzt aber lang und breit. Da zeigen wir, dass wir verstanden haben.

Oder auch kurz: Meinungsfreiheit bedeutet, dass die Politik sich die Freiheit nimmt, sich um die Meinungen zu kümmern, die ihr gerade in den Kram passen.

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7 Gedanken zu “Gut gemeint

  1. Dein Posting könnte ich nach der Linguistin Elisabeth Wehling auch mit „Wie sich politische Sprache ins Gehirn schleicht“ übertiteln. Die Politiker nutzen die Gefahr namens Terror als Motor, um Gesetzesverschärfungen, den (zunehmenden) Einsatz von technischer Überwachung, eine raschere Abschiebung, das Abschotten gegen Wirtschaftsflüchtlinge und mehr Polizeieinsatz im Innland (rascher) durchzusetzen.

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  2. Mein Vater hat Barsche geangelt (nicht n u r Barsche), in der Hunte, am Dümmer etwa. Ich mit, in der Kindheit, in der Jugend. Er hatte den Angelschein, ich den Käscher. Und Mutter hatte die Arbeit für lecker Essen. Solide Arbeitsteilung. – Mein lecker Dorsch in der Ostsee ist dramatisch überfischt. Nur meine irrelevante Meinung gegen Marktwirtschaft? Ich finde, die Bundeswehr sollte gegen Überfischung weltweit eingesetzt werden. Aber ich unterschreibe auch die Schlußsentenz obigen Textes.

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  3. Terror verbieten? Aber … das geht doch nicht, dann hat man ja nichts mehr, womit man den Menschen Angst machen kann, damit sie den anderen Scheiß schlucken. Gut, okay, pro forma ein paar Gesetzt gegen Terror, mehr Überwachungskameras und so, da hat man dann auch noch anderen Nutzen von, hähä.

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  4. Ich würde den Terror auch nicht verbieten. Was sollen die denn dann in den Nachrichten bringen? Der Reaktionsablauf ist auch schon fest etabliert bzw. ritualisiert: Betroffenheit wird geäußert, mehr Überwachung wird gefordert, strengere Gesetze. Wenn wir doch die bestehenden schon mal anwenden würden … Aber die Wahlen rücken näher …

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