Unbestritten: Strittig

Rainer Strobelt (c) Marie Strobelt

Rainer Strobelt
(c) Marie Strobelt

 

 

1.1.2017, 00:01 Uhr, der nörgler sucht schon

das neue jahr

ist so dermaßen jung

es herrscht jungfräuliche frühe

 

da findet er einfach noch kein haar

in dessen ungetrübter bouillon

wie er sie hasst eine jede klare brühe

 

Rainer Strobelt („Strittig“)
Heute morgen fand ich diesen Text von Rainer in meinem Mail-Account und dachte mir, das sei eine gute Gelegenheit, gleich sein neues Buch hier vorzustellen:

Warum schreibt einer keine Regionalkrimis, wenn er schon schreiben muss? Und schreiben muss Rainer Strobelt. Seit vielen Jahren notiert er, sammelt Eindrücke, Gedanken, Worte. Reist, ist aber auch mit Bus und Bahn in der Region unterwegs, gern auch mit dem Fahrrad. Betreibt quasi Feldforschung, saugt sich voll mit Bildern und Notaten und nimmt sich dann die Zeit, die es braucht, Abstand zu gewinnen, zu überdenken und schließlich zu formulieren. Reduziert und konzentriert sind seine Texte.

Rainer Strobelt verfasst und veröffentlicht seit Jahrzehnten Gedichte. Eine eindrucksvolle Reihe von Veröffentlichungen hat sich da angesammelt. Lyrik hat es schwer, kaum eine Besprechung eines neuen Gedichtbandes kommt ohne dieses Klischee aus. Aber der Künstler tut, was er tun muss, nicht, weil es leicht ist oder weil der Markt gerade danach verlangt. Vielleicht schreibt Rainer Strobelt deshalb auch keine Regionalkrimis.

Wer seine Bücher kennt, der hat dennoch festgestellt, dass sich da etwas verändert. ‚Strittig – Seine literaturnahen Vollkostbrösel‘, gerade im Peter Segler Verlag erschienen, setzt diese Veränderung fort. Immer schon spielte Humor eine große, oft unterschätzte Rolle in seinen Gedichten, in den neuen Texten, Aphorismen, Gedankenspielen… wird das nochmals deutlicher. Strittig ist Strobelts Alter ego, ihn lässt Strobelt staunend auf die Welt blicken. „Strittig bleibt an der Mole sitzen: Lassen wir die Fähre ohne uns abfahren. Einmal wird das Meer ja wohl gewichen sein.“ heißt es da. Naiv? Weise? Oder ist dieser Strittig ein Schelm, einer, dem die Fähre egal ist, einer, der keinen Streit sucht, aber Zweifel findet.

Manchmal lacht man laut über diesen Strittig, ein anderes Mal hält man inne, liest noch einmal, fragt sich und versteht. Auch der neue Strobelt ist nichts für Zeilenfresser, kein Buch, das man in die Hand nimmt, um es zu verschlingen, sondern eins, das auf dem Tisch bleibt, immer wieder einmal aufgeschlagen wird und jedes Mal liefert. Und über welchen Regionalkrimi ließe sich das sagen?

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