Frohes Fest!

Viggo Johansen [Public domain], via Wikimedia Commons

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Also dieser Baum ist der schönste, definitiv.

Fröhliche Weihnachten übrigens.

Ärger mit dem Baum gehört zum Fest. Vielleicht nicht in allen Familien, bei uns schon. Mein Vater war jemand, der seinen Keller in eine Werkstatt umgebaut hatte und jeder, der diese Werkstatt sah, wusste, dass mein Vater mit viel Begeisterung und Erfindungsreichtum bei der Sache war. Was ihm fehlte, war handwerkliches Geschick. Und so sahen seine Lösungen dann auch aus. Der Weihnachtsbaum wurde über eine komplizierte Seilkonstruktion gerade gehalten, jedenfalls kurzzeitig, so dass dann neben dem schiefen Baum auch noch ein paar durchhängende Bindfäden zu sehen waren.

Das handwerkliche Geschick meines Vaters habe ich geerbt, seine Begeisterung für alles Handwerkliche geht mir allerdings ab.

Warum Weihnachtsbäume schief stehen müssen, hat sich mir bisher auch nicht erschlossen, sie tun es aber. Unsere jedenfalls. Jedes Jahr. Egal wie sorgfältig wir den Baum ausgewählt haben. Ich vermute, es gibt irgendwo in Ostfriesland, in einem dieser Dörfer an der Nordsee, eine Schonung, in der, vom ständigen Westwind gebeugt, Tannenbäume für die Familie Voita angepflanzt werden. Und es gibt perfide Tannenbaumfachverkäufer, die den Baum so zu halten wissen, dass wir jedes Mal wieder davon überzeugt sind, jetzt aber erstmals… ach, egal.

Bis hierher dürfte schon deutlich geworden sein, dass wir nicht  mit Säge und Axt in den Forst ziehen, um uns einen Baum und einige klaffende Wunden zu schlagen. Wir experimentieren lieber mit verschiedenen Bezugsquellen. Zweimal hintereinander ist es einem Händler, den wir auch noch persönlich kannten, der also unsere Naivität ausnutzte, gelungen, uns einen Baum mit gebrochener bzw. gänzlich abgebrochener Spitze zu verkaufen. Wir haben uns das dann als eine Art ökologisch motivierte Resteverwertung schöngeredet.

Einmalig blieb aber unser Versuch, den Baum direkt beim Erzeuger zu erwerben. Der Hof lag schön einsam im Münsterland, idyllisch. Die Bäume wuchsen rund um die Hofgebäude und wir wurden fündig, ein prächtiges Exemplar für unsere Altbauwohnung in Münster.

Misstrauisch wurden wir, als der Baum stand, gerade stand und keine sichtbaren Mängel hatte. Der aufmerksame Leser stutzt jetzt. Sichtbar nicht. Der Baum verbreitete einen raumfüllenden Geruch. Einen, der eher nicht weihnachtlich war, nicht nach Holz und Tannennadeln.

Es dauerte ein Weilchen, bis es uns klar wurde, bis wir sozusagen zu Naseweisen wurden. Der Baum hatte hinter dem Stall gestanden, hinter dem Schweinestall und offenbar so, dass er nie ein frisches Lüftchen abbekommen hatte. Er stank wie eine ganzer Maststall. Lüften half nicht. Wir haben ihn dann mit Fichtennadelspray bearbeitet.

In diesem Jahr ist alles besser. Der Baum ist groß, stinkt nicht, nadelt im üblichen Umfang und steht schief. Er ist definitiv der schönste, den wir dieses Jahr Weihnachten haben.

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13 Gedanken zu “Frohes Fest!

  1. … scheint öfters vorzukommen: Mein Vater hatte am Heiligen Abend grundsätzlich schlechte Laune, weil er den Vormittag mit dem meist vergeblichen Versuch zubrachte, den Weihnachtsbaum, den er besorgt hatte, irgendwie so in den Weihnachtsbaumständer zu bekommen, dass er einigermaßen gerade war. Und weil mein Vater ein sparsamer Mann war, hatte er grundsätzlich einen „schwierigen“ Baum gekauft. Frohes Fest!
    Martin

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  2. Lieber Herr Voita!
    Eine sehr schöne Weihnachtsgeschichte. Auch wenn man glauben mag, dass vielleicht der ein oder andere Baum auf die schiefe Bahn geraten ist, trifft bei Ihrer Tanne wohl eher das Motto zu: Der schiefe Turm äh Baum von Voita!
    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ein schräges und frohes Fest, auf dass der Baum halten möge und gut duftet! 🙂
    Herzliche Grüße von der Alm
    Mallybeau

    Gefällt 2 Personen

  3. Ich habe lange nach einem passenden kritischen Weihnachtsgedicht für Deinen wunderbaren Weihnachtsbericht gesucht. Kurz: Nix gefunden. Deshalb mußt Du mein Gedicht ertragen:
    Ist der Baum auch schräg und stinkend /
    sind Nichtverwandte auch mitwinkend /
    Denk Dir gerade einem Baum /
    und morgen: den schaun.

    Frohe Festtage!

    Gefällt 1 Person

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