La Bammel

Es klingelt. Kann vorkommen. Also mache ich auf, erwarte eine meiner Töchter oder meine Frau. Obwohl ich eigentlich beide nicht erwarte, jetzt nicht erwarte. Sie sind es auch nicht. Es sind fünf oder sechs. Mütter mit Kindern und Laternen. Also die Laternen jetzt nicht mitgezählt. 11.11…. da beginnt doch die Karnevalszeit. Haben da schon mal Kinder bei uns gesungen? Es ist dunkel, sie beginnen zu singen und ihre LED-beleuchteten Laternen brennen nicht, so wie sie es in ihrem Lied auch wünschen. Leuchten tun sie schon.

Immerhin weiß ich jetzt, warum sie da vor der Tür stehen. Sankt Martin. Ich kann jetzt schlecht weg, an den Rechner und googeln. Wird schon seine Richtigkeit haben. Zum Glück haben die Knirpse noch einen zweiten Titel drauf, den sie auch gleich absingen, während ich mir die unsinnigsten Gedanken mache.

Das Lied ist zu Ende. Erwartungsvolle Kinderaugen, keiner sonst zuhause. Niemand hat an diesen dämlichen Martin gedacht. Ich muss jetzt etwas tun. Wenn doch nicht die Mütter dabei stünden, dann würde ich ihnen jeweils eine Kartoffel und eine Möhre in die Hand drücken. Oder zwei Zwiebeln? Eine Packung Papiertaschentücher? Dunkle Herrenschokolade?

Ab ins Haus. Die Tür offen lassen. Zu spät, um so zu tun, als ob ich nicht da wäre. Schubladen auf. Nichts. Mehrere Dosen Fisch in Tomatensoße. Teebeutel. Dreijährige mit einer Packung Pfefferminztee abspeisen? Nein, Treppe hoch. Unten höre ich schon die Mütter meinen Namen rufen. Eine Schüssel voller Naschereien im Zimmer meiner Tochter. Was für eine Erleichterung. Ich greife mir ein paar Hände voll, runter zu den etwas irritierten Martinssängern und jedem etwas in die Hand gedrückt.

Mütter und Kinder ziehen ab, dankbar und etwas verwundert über blutige Schokoladenaugen und Fledermäuse aus Weingummi.

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12 Gedanken zu “La Bammel

  1. Zum Glück konntest du dich am Halloween-Süßkram deiner Tochter bedienen. Ich hätte derlei wirklich nicht zu Hause, aber hier in der Stadt singen die Kinder nur in den Läden. „Die Tür offen lassen“, wäre hier auch nicht ratsam.

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  2. Also ich hätte die gefragt, seit wann man an St. Martin auch noch Süßigkeiten abgreift. Ist das wirklich so?


    Ich konsultierte eben die Nichte im Laternenumzugs-Alter via Telefon. Sie konnte mir nicht mehr antworten, schrie aber quer durch das Haus nach ihrer Mutter und schimpfte, dass sie noch mal mit der Laterne los will um Süßigkeiten abzuholen. Ich glaub in Bayern ist das nicht so. Ich hätte nicht mal Herrenschokolade.

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    • Zum Jahreswechsel? Das kenne ich nicht. Da gibt es hier im Münsterland keinen vergleichbaren Brauch, in Ostfriesland habe ich da auch nichts kennengelernt. In der Grafschaft Bentheim zieht man zu Beginn des neuen Jahres von Haus zu Haus, wünscht sich ein gutes neues Jahr und trinkt darauf einen Korn – ein Brauch, der also eher nicht von Kindern gepflegt wird.

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