Literatur & Co.

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„Ik ben makelaar in koffi, en woon op de Lauriergracht no. 37.“

„Ich bin Makler in Kaffee und wohne Lauriergracht Nr. 37.“ So beginnt Max Havelaar, der Roman von Multatuli. Hinter diesem Pseudonym verbarg sich der Autor Eduard Douwes Dekker. Der Roman, der in den Niederlanden zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Kolonialpolitik in Indonesien führte und bis heute als das wichtigste Buch der niederländischen Literatur gilt, hat zweifellos Spuren in der Wirklichkeit hinterlassen. Eine der witzigsten hat mich jetzt in Amsterdam beschäftigt. Allein im ersten Kapitel des Buches nennt uns Batavus Droogstoppel vier oder fünf Mal die Adresse Lauriergracht 37 und verweist darauf, dass er Kaffeemakler sei, am Ende dieses ersten Kapitels, das übrigens nicht länger als fünf Seiten ist, wissen wir zudem, dass er der Schwiegersohn des alten Last ist, das Co. in Last & Co. Das Kapitel endet mit einer Abbildung seiner Visitenkarte:

Last & C
MAKELAARS IN KOFFI
LAURIERGRACHT, no 37

Wenn man in Amsterdam unterwegs ist und ein wenig literarisches Interesse mitbringt, dann schaut man mal in der Lauriergracht 37 nach. Gut, bei mir hat es rund 30 Jahre gedauert, bis ich auf diese Idee kam, aber jetzt war es endlich so weit.

Die Adresse, Lauriergracht 37 übrigens, nur damit das auch einmal erwähnt wird, gibt es und auch wenn dort nie eine Kaffeehandlung ansässig war, gibt es eine Hinweistafel,  die auf ein Unternehmen, dass es nie gegeben hat. Sie hängt an einem Gebäude, in dem es nie eine Kaffeehandlung gab – und weist nicht darauf hin, dass all das nur einem Roman entspringt. Mir gefällt diese Idee sehr, sie zeigt auch, wie lebendig Max Havelaar im kollektiven Bewusstsein der Niederländer ist.

Foto: Leonie Voita

Foto: Leonie Voita

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6 Gedanken zu “Literatur & Co.

      • Das ist für mich der Gewinn beim Bloggen: aufmerksam gemacht zu werden auf etwas, das ich zuvor nicht kannte, und was mein Interesse weckt. In diesem Fall auf dieses Buch durch Deinen Beitrag hier.
        Van harte bedankt… 😉

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      • Max Havelaar habe ich seit Jahrzehnten im Regal. Mein erster Versuch, sich mit diesem Buch zu beschäftigen, endete nach wenigen Seiten. Jetzt habe ich eine Hörbuchfassung entdeckt (NL), die aber etwas hastig gelesen wird. Aber jetzt gelingt mir der Zugang besser.

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      • Saïdjah und Adinda, eine eintönige Geschichte, wie Multatuli sie nennt, taucht erst in der zweiten Hälfte des Buches auf. Vorher gibt es viele Informationen über die Verwaltungsstrukturen der niederländischen Kolonialmacht, über einheimische Fürsten und Traditionen, über die Rolle der Kolonialbeamten, über Droogstoppel, den Kaffeemakler und seine Sorgen. Es ist schon vielfältig und, wenn man bedenkt, dass es ein Buch aus dem Jahr 1859 ist, sehr komplex.

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