Literarisches Amsterdam (8)

Multatuli schaut Marinus Pütz skeptisch über die Schulter Foto: Elfie Voita

Multatuli schaut Marinus Pütz skeptisch über die Schulter
Foto: Elfie Voita

Endspurt. Diesmal sollte es doch klappen mit dem letzten Beitrag zur literarischen Führung in Amsterdam. Allerdings nur, wenn es mir gelingt, diese Einleitung zügig abzuschließen. Die Tour liegt jetzt schon fast einen Monat hinter uns. Die Fotos von der Reise habe ich mir gerade noch einmal angesehen. Jetzt will ich wieder hin. Am liebsten sofort.

Dass in der Keizersgracht 569-571 bis Ende der neunziger Jahre das P.J. Meertens-Instituut voor Dialectologie, Volkskunde en Naamkunde seinen Sitz hatte, interessiert wohl nur diejenigen, die Voskuil gelesen haben oder lesen wollen. Es ist nämlich das Vorbild für das A.P. Beerta-Instituut, Schauplatz des Buches, der Bücher, genau genommen, denn es sind immerhin sieben Bände.

Und Multatuli? 

In der ersten Folge dieser Reihe habe ich über ihn geschrieben. Marinus Pütz hat uns zu seinem Denkmal geführt.

Ich hatte nicht gewusst, dass es dieses Denkmal gibt. Jedenfalls nicht bis zum Vortag, als wir zufällig davor landeten. Macht nichts. Marinus erklärt uns, dass es ein Multatuli-Museum in der Nähe gibt. Ich glaube, da will ich nicht hin. Nicht, bevor ich den Max Havelaar gelesen habe. Und nein, wir sind nicht so kultur- und literaturbeflissen, dass wir nicht auch Zeit für anderes gehabt hätten: Gut und schlechter essen, tropfnass werden in einem überraschenden Regenschauer, der sich zu einem echten Landregen entwickelt, von Mücken zerstochen werden, nach Abkürzungen suchen und Umwege finden, vor Schaufenstern stehen und in Geschäften stöbern, vor Radfahrern flüchten und glücklich auf eine stille Gracht im frühmorgendlichen Licht blicken.

Teil 7

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13 Gedanken zu “Literarisches Amsterdam (8)

  1. Interessante Reise, macht direkt Lust auf Amsterdam. Das letzte Mal war ich vor 20 Jahren da und habe sehr gute Erinnerungen daran (gut, ich war auch gerade frisch verliebt und hatte meine neue Freundin als Begleitung … wir habe trotzdem viel gesehen;-). Wenn ich nur mehr Zeit hätte, so weit ist es ja nicht von Köln aus …
    Von Matatuli habe ich hier zum ersten Mal gehört. Kannst Du eine bestimmte Übersetzung empfehlen? Du liest ja wahrscheinlich auf Niederländisch, aber kann ja sein, daß Du was über die Qualität der deutschen Ausgaben weißt.

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    • Ja, ich lese den niederländischen Text – oder werde ihn mir anhören, denn ich habe vor ein paar Stunden entdeckt, dass es ein LibriVox-Hörbuch gibt, kostenlos. Zu den deutschen Ausgaben kann ich nur sagen, dass es eine aktuelle von Martina den Hertog-Vogt gibt. Die anderen, davon gibt es mehrere, sind zum Teil schon sehr alt.
      Amsterdam ist immer eine Reise wert, das Rijksmuseum, das Van-Gogh-Museum oder einfach die wunderschöne Stadt, deren Grachtengürtel ja mittlerweile Weltkulturerbe ist.

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      • Danke für den Tipp, die Übersetzerin ist ja auch die von Harry Mulisch, habe ich gerade gesehen, da kann man wohl nichts falsch machen. Antiquarisch ist es noch zu haben.

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  2. Ich war schon einige Male in Amsterdam. Meine Ziele waren bisher immer die großen holländischen Maler: Rembrandt, Van Gogh et al…

    Dank deiner gelungenen Serie hier, könnten es beim nächsten Mal auch Schriftsteller/innen sein,
    Dankeschön für all deine interessanten Informationen!

    Liebe Morgengrüße vom Lu

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    • Es gilt, was für viele Städte gilt: Wenn man nicht nur die touristischen Höhepunkte betrachtet, sondern auch ein wenig Zeit mit der Vorbereitung der Reise verbringt, dann lässt sich immer noch vieles entdecken. Und eine Führung hilft auch in Städten, die man längst zu kennen glaubt. Sorgar in der Heimatstadt.

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  3. Du schreibst, die Tour liege jetzt schon einen Monat zurück. Ich kann mir Vorstellen, dass die Materialfülle der Führung Literarisches Amsterdam einen erschlägt. Da fällt es schwer wegzulassen. In einigen Folgen deines literarischen Bummels bilden Informationen über deutsche Exilanten den roten Faden. Ich habe sehr gestaunt zu lesen, wie stark Amsterdam mit deutscher Exilliteratur verknüpft ist. Dein heutiger Hinweis auf Multatuli ist ebenfalls eine Entdeckung für mich. Hab mir eben durchgelesen, was man bei Wikipedia über seinen Roman ‚Max Havelaar‘ schreibt. Den werde ich mal lesen. Vielen Dank, dass du uns teilhaben lässt am so reichen Literarischen Amsterdam.

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    • Genau, es ist ein großes Problem, eine Auswahl zu treffen. Ich habe, wie du richtig erkannt hast, das Exil als roten Faden gedacht, eben weil Amsterdam neben Frankreich und Amerika einige Zeit von großer Bedeutung war. Aber es schien mir dann auch ‚unredlich‘, Amsterdam eben nur als einen Ort der deutschen Literatur zu sehen. Deshalb gibt es diese Schlenker hin zu Multatuli oder Thomas Rosenboom.

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    • Eine Serie… ja, könnte mir gefallen. Obwohl ich auch gut damit leben kann, an einer geführten Städtereise teilzunehmen. Es ist ja nur ausnahmsweise so, dass ich mich mit einer Stadt intensiver beschäftigt habe. Und so intensiv dann auch wieder nicht.

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  4. Pingback: Literarisches Amsterdam (7) | Manfred Voita

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