Literarisches Amsterdam (6)

Foto: Elfie Voita

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Wie, noch eine Folge? War die fünfte nicht so eine Art Resümee? Ha! Zu früh gefreut, kein Resümee, nur ein Intermezzo. Exil in Amsterdam war eines meiner Themen und ein Thema, das sich anders als von mir erwartet entwickelte.

In der Nähe der Westerkerk, der Kirche, in der eine Gedenktafel an Rembrandt erinnert und den Eindruck erweckt, er läge in der Kirche begraben, dabei wurde er nur auf dem einst angrenzenden Friedhof bestattet und niemand kennt den genauen Platz, in der Nähe dieser Kirche mit ihrem prächtigen Turm also, gerade einmal um die Ecke, befindet sich das Haus, in dem die Familie Frank sich von 1940 bis 1944 verstecken musste.

Paul Auster, der amerikanische Schriftsteller, hat sich die Räume angesehen, in denen die untergetauchten Menschen leben mussten und diese Besichtigung hat ihn tief beeindruckt. In seinem stark autobiografisch geprägten Buch ‚Die Erfindung der Einsamkeit‘ bezieht er sich auf dieses Erlebnis.

Ohne Marinus Pütz, unseren literarischen Führer durch Amsterdam, hätte ich das nicht gewusst. Paul Auster aber wusste wie Marinus, dass in direkter Nachbarschaft, nur durch dreihundert Jahre getrennt, René Descartes gewohnt hat. Paul Auster und in seiner Nachfolge Marinus Pütz zitieren Blais Pascal: „Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.“

‚In diesem Haus‘, so heißt es auf der oben abgebildeten Plakette, ‚wohnte während des Sommers 1634 der berühmte französische Philosoph Rene Descartes. Zur Ehre seines ruhmreichen Gedächtnisses ist dieser Stein von der Alliance Francaise in den Niederlanden am 16. Oktober 1920 gestiftet worden.‘

Wenn Google mich nicht trügt, steht unter dem niederländischen und französischen Text ‚In welchem anderen Land kann man eine solche totale Freiheit genießen?‘

Das wäre jetzt nicht das, was mir zu diesem Ort einfiele. Von Descartes, der das Amsterdam des 17. Jahrhunderts wegen seiner Liberalität schätzte, zu Anne Frank und dem Amsterdam der deutschen Besatzungszeit ist viel Zeit vergangen. Fortschritt sieht anders aus. Und nein, es ist kein relevanter Einwand, dass wir im Jahre 2016 leben und jetzt alles gut ist.

Teil 7

Teil 5

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7 Gedanken zu “Literarisches Amsterdam (6)

  1. Seeeeehr interessant, das mit Paul Auster und den Franks!

    Und auch, was du über zwei meiner Lieblingsphilosophen Descartes und Pascal schreibst…

    Der Spruch vom Blaise ist ja herrlich und schon gespeichert!

    Hier habe ich mal was über den unsterblichen Pascal geschrieben, und wie ich ihn in mein Dasein integriert habe:

    https://finbarsgift.wordpress.com/2015/06/03/die-pascalsche-trommel-in-mir/

    Hab einen schönen Tag!

    Gefällt 1 Person

    • Da schließen sich auf einmal wieder Kreise, von denen ich gerade noch nichts ahnte. Nach Pascal ist auch die gleichnamige Programmiersprache benannt – und schon sind wir zügig bei den Computern und Drohnen. Ha, Herr Pascal, aber uns anraten, besser mal daheim zu bleiben!

      Gefällt 1 Person

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