Literarisches Amsterdam (2)

Foto: Elfie Voita

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Viele Menschen reisen gern, ich reise gern an. Gern auch langsam. Morgens von Warendorf nach Münster, frühmorgens, kurz nach sechs, Hochnebel. Noch ist es kühl draußen. Man sollte öfter mal so früh los, die Natur gibt sich alle Mühe und kaum einer schaut hin.

Rehe auf den Feldern.

In Münster parken, umsteigen in den Flixbus. Pünktliche Abfahrt, unterwegs durch die Hoge Veluwe, ein Heide- und Waldgebiet, neben dem Utrechtse Heuvelrug: Sozusagen ein Höhepunkt der niederländischen Landschaft.

Wieder mal eine Brücke. Weil sich das Lesen nicht abstellen lässt, konsumiere ich den Text auf einem der Brückenpfeiler „Ecoduct…“ Da war doch was… na klar, habe ich in einem Fernsehbeitrag schon mal gesehen. Eine Autobahnbrücke für die Tiere, die ab und an auch mal die Seite wechseln möchten, begrünt, bewaldet.

Pünktliche Ankunft in Amsterdam- Sloterdijk. Sagt mir nichts. Sloterdijk schon. Peter Sloterdijk. Der hatte einen niederländischen Vater, womit das jetzt auch geklärt wäre. Amsterdam-Sloterdijk entspricht weder dem Bild oder dem Vorurteil, das wir von Amsterdam oder niederländischen Städten haben. Stattdessen Hochhäuser und ein Vorortbahnhof, gebaut für Pendler, die hier arbeiten sollten. Inzwischen stehen viele der Bürohochhäuser leer, 20 Prozent sagt das Internet. Zukünftig sollen dort Menschen leben.

Wir müssen zum Glück nur umsteigen. Sprinter heißt der Zug, der uns in die Stadt bringen soll, Amsterdam CS, Centralstation. Gleich nach der Abfahrt eine Durchsage, die klingt, als spräche der Zugbegleiter mit zugehaltener Nase in ein defektes Mikrofon und das klägliche Ergebnis dieser Bemühungen würde auch noch durch gestörte Boxen verzerrt. „Dames en heren“, verstehe ich und „Ladies and gentleman“. Einer der ersten Eindrücke dieser Fahrt: Amsterdam spricht englisch. Ganz selbstverständlich, im Restaurant, an der Rezeption, aber auch an der Supermarktkasse. Und zwar nicht erst, nachdem man sich als Ausländer zu erkennen gegeben hat. Oder bin ich so offensichtlich kein Niederländer? Ich hab doch extra ein Hemd in der Nationalfarbe angezogen: Oranje!

Literarische Führung? Später. Erst mal ankommen.

Teil 3

Teil 1

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11 Gedanken zu “Literarisches Amsterdam (2)

      • Ich habe das damals gar nicht so wahrgenommen; ich war ja noch ein Teeny. Ich weiß auch noch, dass wir abends die Mutter besucht haben. Die war Klofrau in irgendeinem Lokal im Rotlichtmilieu. Das kam mir alles ehr locker und familiär vor. Diese Freundin hatte ich auf dem Campingplatz kennengelernt. Das waren alles sehr herzliche liebe Menschen.

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