Kuckuck & Seidenspinner

Gestern habe ich Raffstoren geputzt. Die heißen wirklich so, ich habe das überprüft. Diese Kunststoffteile, Lamellen hätte ich früher gesagt, die außen an der Fassade aufgehängt werden und zur Beschattung und Verdunklung dienen. Und ja, der Plural lautet Storen. Während der Plural von Story Storys ist. Auf Storen wäre da ja auch niemand verfallen. Weil ich einige Raffstoren zu putzen hatte, wir machen das regelmäßig, also genau genommen habe ich diese Regelmäßigkeit gestern begründet, dauerte das und so hatte ich wohlweislich – klingt übrigens wie ein naher Verwandter des Kohlweißlings – meine Kopfhörer aufgesetzt und mein Hörbuch weitergehört. Storen und Storys eben.

Eine Freundin hatte mich mit Robert Galbraith versorgt. Weil ich ja nicht so schnell mal etwas richtig mache, habe ich den ersten Roman ‚Der Ruf des Kuckucks‘ erst gehört, nachdem ich den zweiten ‚Der Seidenspinner‘ schon kannte. Der dritte, ‚Die Ernte des Bösen‘, ist seit einigen Monaten ebenfalls zu haben. Da werde ich wohl warten müssen, bis ich den vierten Teil gehört habe.

Robert Galbraith ist, woran ich mich sofort erinnerte, nachdem unsere Freundin mir das gesagt hatte, ein Pseudonym. Für Joanne K. Rowling. Warum sie ihre Kriminalromane unter einem Pseudonym schreibt, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Aber vermutlich mag sie Geheimnisse.

Ignorieren wir also Herrn Galbraith und sprechen wir darüber, was Frau Rowling geschrieben hat. Wenn ich sage, dass die Storys etwas arg konstruiert wirken, dann gilt das vermutlich für die meisten Krimis. Wenn ich kritisieren würde, dass die beiden ersten Romane in eine Promi-Welt angesiedelt sind… geschenkt, abgesehen von Hogwarts, wo soll sich die Gute denn sonst noch auskennen? Wenn jemand über diese Welt schreiben kann, dann doch wohl Frau Rowling, die alt genug war, als sie sich eines Morgens in genau dieser Welt wiederfand. Alt genug, um einen bitterbösen Blick auf die Absonderlichkeiten dieser speziellen Gattung Mensch werfen zu können. Ich mag die beiden Romane, ich mag ihren Ton, der etwas altmodisch daherkommt, sich nicht um irgendeine hippe Sprache bemüht oder… hm, das Gegenteil von weichgespült kann doch unmöglich hartgekocht sein? Na, sie versucht jedenfalls auch nicht so einen krassen Polizistenjargon zu zelebrieren.

Sie schafft Personen, die mich interessieren. Cormoran Strike ist der Privatdetektiv, Robin Ellacot seine Sekretärin, sensibel, klug, unaufdringlich, eigentlich fast ein wenig zu perfekt für unsere Welt. Keine Signorina Elettra wie bei Donna Leon, bei der hinter der schönen Fassade immer die Rebellion brodelt und die in Wirklichkeit jeden Fall löst. Robin ist da anders, sie ist das fröhliche aber leise Pfeifen, während Cormoran Strike das tiefe Brummen ist. Oder so. Ein grimmiger Held, Ex-Militärpolizist mit Kriegserfahrung, Sohn eines alternden Rockstars, jemand, der trotz des berühmten Vaters auf eigenen Beinen stehen will – auch wenn es nur noch ein Bein ist.

Im ‚Kuckuck‘ gibt es eine sehr langatmige Lösung des Falles, ich mag das nicht, wenn am Ende einer Geschichte Detektiv und Täter in einen ewigen Dialog treten und alles noch einmal haarklein durchgegangen werden muss, damit auch wirklich jeder verstanden hat, was da passiert ist. Das muss doch auch anders gehen, oder? Aber vielleicht war das auch ein Anfängerfehler. Es sei ihr verziehen. Andere haben das schon getan. Die BBC zum Beispiel. Wie alles, was Frau Rowling anfasst, werden auch die Cormoran-Strike-Romane verfilmt. Also entweder lesen und bald im Fernsehen anschauen. Oder beides. Wie gesagt, alles etwas oldschool, wie meine Töchter sagen würden. Aber das bin ich ja auch.

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12 Gedanken zu “Kuckuck & Seidenspinner

  1. Oldschool ist sicher nicht das schlechteste. Wenn es bedeutet, nicht auf den Film zu warten, dann schließe ich mich an. Mehr kann ich zu obigem auch nicht beitragen. Ich habe noch nichts von Frau Rowling gelesen. Die Harry Potter Bücher hebe ich auf, wenn ich im Winter einmal vier Wochen lang am Stück nicht arbeiten muss. Ich fürchte, ich werde sie mir im Rentenalter erst anschaffen.
    Raffstore….es heißt man soll jeden Tag ein Wort für sich entdecken. Danke, für heute habe ich eines.

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    • Ich muss gestehen, dass ich auch nicht alle gelesen habe. Als meine Töchter aus dem Alter heraus waren, in dem ich noch vorlesen durfte, also so etwas 14 oder 15, waren noch nicht alle Bände erschienen oder wir hatten noch nicht alle Bände. Jedenfalls habe ich keines der Bücher dann allein gelesen. Die Filme kenne ich ebenfalls nicht alle, so dass ich auch nicht weiß, wie das alles endet. Rentenalter… ja, aber Rentner haben bekanntlich überhaupt keine Zeit.

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  2. Eigentlich ist es doch ein Trauerspiel, dass eine erfolgreiche Autorin wie Frau Rowling unter einem Männernamen publizieren muss. Das erinnert an die SF-Autorin Alice B. Sheldon, die unter dem Pseudonym James Tiptree, Jr. veröffentlichen musste, weil ihr Verlag der Meinung war, die Leser wollten keine SF von einer Frau lesen. Bei Rowling war es nicht anders. Das ist auch ganz schön „oldschool.“

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  3. Wikipedia behauptet, der Plural von Raffstore sei Raffstores, Aber das nur nebenbei (und weil ich nachschauen musste, denn ich hatte von Raffstoren/s noch nichts gehört, musste also auch noch keine putzen. Ich besaß nur mal solche Lamellenteile für innen und wünschte, ich wäre bei der Reinigung auf die Idee gekommen, mir einen Krimi anzuhören.

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    • „Heißt es nun „Stores“ oder „Storen“, wenn man die Mehrzahl einer bestimmten Form der Außenverschattung meint. Während beispielsweise das Verzeichnis der Münchner BAU „Raffstoren“ als Kategorie anbietet, findet man bei der R+T „Stores“ – und die Anbieter bezeichneten ihre Produkte ebenfalls uneinheitlich (zuletzt abgeglichen Fe­bru­ar 2015).

      Der schneller Blick in den Duden verrät, dass „Store“ (ohne „e“ am Ende gesprochen) aus dem Französischen kommt und ursprünglich eine durchsichtige Gardine bezeich­nete. Demzufolge wäre die korrekte Mehrzahl dann „Stores“. Endgültige Klarheit ver­sprach dann ein Anruf beim Grammatischen Telefon, förderte aber sogar noch weitere Varianten zutage: Neben den bereits Erwähnten gibt es laut Wahrig auch den Plural „Store“ (mit gesprochenem „e“ am Ende) und laut achtbändigem Duden heißt es im Schweizerischen „der Storen“ und „die Storen“, wobei damit dann tatsächlich keine Gardinen, sondern ausschließlich Außenbeschattungen gemeint sind. Um die Verwir­rung komplett zu machen, gibt das Fremdwörterbuch die Mehrzahl für die Schweizer Variante mit „Storens“ an. Laut verschiedenen Internet-Seiten verwenden die Schweizer den Begriff übrigens nicht nur für geraffte oder lamellenartige Verschattun­gen, sondern z.B. auch für Markisen. – Alles klar nun?“
      http://www.baulinks.de/sonnenschutz/raffstore-raffstores-raffstoren.php
      Ich glaube, ich will Rollos. Oder Rouladen.

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      • Boaaaah! Warst Du fleißig. Als 68erin (in zweierlei Hinsicht) erinnere ich mich natürlich an „Store = durchsichtige Gardine“. Später folgten die Demistores, Gardinen die eben halbdurchsichtig waren, und als ich letztes Jahr neue Gardinenstangen kaufte, wurde mir wieder einmal vor Augen geführt, dass es sich bei allem „ums Fenster“ um eine echte Wissenschaft handelt.

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  4. Ich denke mal, nachdem man ‚Harry Potter‘ geschrieben hat, kann man sich nicht einfach in die ‚Niederungen‘ des normalen Kriminalromans begeben. Das kauft einem niemand ab. Dann lieber hinterm Pseudonym verstecken. Ich habe den ersten Band angefangen, aber er hat mir nicht gefallen … abgebrochen. Ich würde es nur nochmal versuchen, wenn ich RAFFSTOREN reinigen müsste. Wir haben aber keine 😉
    LG, Ingrid

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