Delfter Blau

Bild: Amelie Voita

Bild: Amelie Voita

Meine Tochter brachte mir ein Foto aus Delft mit. Einige Zeilen aus einem Gedicht. Kann man ja nicht abheften, muss man ja schon mal googeln. „Nacht“, so heißt das Gedicht, das Hubert Poot über den Delfter Sternenhimmel verfasste.

Slechts ik, dus vroeg eens opgestaen / Zie ’t ryzend licht der schoone maen / Op gevels blikkeren en torens. / Zy meet het blaeu met elpe schreen; / En scheurt, in koelen moedt, met haere zilvre horens, / De donkerheid vanëen

Ein Bauer war er, dieser Hubert Korneliszoon Poot (Abtswoude, 29.01.1689 – Delft, 31. Dezember 1733), einer, der auf die Idee kam, von seinen Gedichten zu leben und in die Stadt zog. Auftragsarbeiten. Lief nicht so gut, wie er sich das gedacht hatte, er fand Trost im Alkohol und  zog schließlich zurück nach Abtswoude, zurück aufs Dorf. Berühmt wurde sein Grabstein:

’Hier ligt Poot / Hij is dood’.

Hier liegt Poot. Er ist tot.

Auch merkwürdig. Diesen Text, den er nicht einmal selbst verfasst hat, kennt man bis heute.

Teile seines Gedichtes über den Sternenhimmel gelten dennoch als sehr gelungen. Ich habe mich mal eine Übersetzung gewagt, heraus kam eine gewagte Übersetzung. Aber ich lasse gern mit mir darüber reden!

Nur ich, drum einmal früh aufstehn

und seh’n den klaren Mond aufgehn

sein glänzend Licht auf Turm und Dach

ermisst das Blau mit elfenbein’erm Schritt

und reißt ganz kühlen Bluts

mit silberigen Hörnern

entzwei die ganze Nacht

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15 Gedanken zu “Delfter Blau

  1. Dein Übersetzung kann ich nicht beurteilen, da ich aber ohne gar nichts verstanden hätte, ist sie mir willkommen. Ein schönes Gedicht.

    Die Inschrift auf dem Grabstein hätte nicht vermuten lassen, dass dort ein Mann liegt, der mit Worten umzugehen weiß. Oder vielleicht doch. Tot – was gibt es da noch groß Worte zu verlieren.

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  2. Danke fürs Mitteilen und für die Übersetzung. Mit dem ersten Vers habe ich ein Verständnisproblem. Was bedeutet die Eingangsfloskel „Slechts ik…“ (Nur ich)? Ist es zu verstehen wie „Ich bins nur?“ – mich kann ich zum Frühaufstehen zwingen, andere hingegen sind was Besseres. Die muss ich ausschlafen lassen? Freilich kommen sie dann nicht in den Genuss, den poetischen Mond und sein Licht zu sehen. Das wendet dieses „Nur ich“ ins Überhebliche und Egoistische „Nur für mich“. Oder war „Slechts ik“ im 17. und 18. Jh. eine feste barocke Wendung, mit der man aus übertriebener Höflichkeit eine Aussage begann, entsprechend „Meine Wenigkeit?“

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  3. Übersetzungen sind immer schwierig, zu mal wenn man den Menschen, der das Original verfasst nicht wirklich kennt – ihn von Angesicht zu Angesicht getroffen hat. Gedichte sind da noch um einiges schwieriger. Ich ziehe den Hut, den ich nicht habe, vor Ihnen!!! Danke.

    Gefällt 2 Personen

  4. Statt Blue Moon ein Mondgedicht in Delfter Blau.
    Sehr schön.

    Das kürzeste Mondgedicht das ich kenne, ist von Robert Gernhardt. Die erste Zeile muss man nicht einmal übersetzen.

    ..,-
    fertig ist das Mondgedicht.

    Gefällt 2 Personen

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