Falsche Freunde

„Wanneer het recht fundamenteel niet met het rechtsgevoel spoort en aanpassing daaraan door oppermachtige belanghebbenden wordt getraineerd, leidt dat uiteindelijk tot een volksopstand. Die zien we dan ook bij de stembus nu.“

Dieser Satz, den Thomas von der Dunk im Volkskrant schrieb, beinhaltet ein schönes Beispiel für „falsche Freunde“, also für Wörter einer Fremdsprache, die einem Wort aus der Muttersprache gleichen bzw. so ähneln, dass sehr leicht ein Übersetzungsfehler entsteht. Im obigen Satz ist es das Wort „getraineerd“.

Am Beispiel von „Ich werde gesehen“ sieht das so aus, dass im Niederländischen das Passiv mit dem Hilfswerb „worden“ gebildet wird. „Ich werde“ wird also zu „Ik word“.

Nun brauchen wir noch das Partizip von „sehen“ = „zien“, dass im Niederländischen „gezien“ lautet. „Ik word gezien“ also.

Alles klar? Gut, dann also zurück zu Thomas von der Dunk und der Konstruktion  „aanpassing (…) wordt getraineerd“ und schon haben wir verstanden und übersetzen „Anpassung wird trainiert“ oder „Anpassung wird geübt“.

Tun wir natürlich nicht, weil ich schon im ersten Satz darauf hingewiesen habe, dass wir es mit einem falschen Freund zu tun haben. Im Niederländischen  „wordt getraind“, wenn trainiert wird und nichtgetraineerd“. Der van Dale, ein niederländisches Wörterbuch,  liefert denn auch die Bedeutung fürgetraineerd“: „op de lange baan schuiven; vertragen“, also auf die lange Bank schieben, verzögern.

Die richtige Übersetzung lautet also „Die Anpassung wird verzögert“ oder „Die Anpassung wird auf die lange Bank geschoben“.

 Mit so schnellen Erfolgen geben wir uns aber nicht zufrieden. Der Ursprung des Wortes „traineren“ findet sich in Frankreich, „traîner“ heißt nichts anderes, als verzögern, langsam voran gehen und  ist natürlich auch die Grundform des Trainers und Trainierens im Deutschen wie im Niederländischen. Kein Wunder also, dass wir dazu neigen, uns diesem falschen Freund anzuvertrauen.

 

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9 Gedanken zu “Falsche Freunde

    • Das Problem mit dem Übersetzen ist eigentlich das intuitive Verstehen während des Lesens. Der fertig übersetzte Text ist dann doch ein anderer. Manchmal, weil man ihn erst nach der Übersetzung wirklich verstanden hat, manchmal, weil man dem Original einfach nicht gerecht werden kann.

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    • Nein, soweit mich meine inzwischen löchrig gewordenen Kenntnisse nicht täuschen. Die Niederländer kennen, wie du weißt, das Trema, um die Dehnung bei einer Vokalverdoppelung oder überhaupt bei aufeinander folgenden Vokalen zu verhindern. Poëzie wird deshalb nicht zu Pusi.

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  1. Allzu leicht fallen wir auf ‚Falsche Freunde‘ herein, in der Sprache und auch sonst … Ja, intuitives Verstehen ist wichtig und kann möglicherweise Fehler im Übersetzen vermeiden … wobei wir meist übersehen, dass Sprachen nie deckungsgleich sind.
    LG, Ingrid

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    • Du hast selbstverständlich Recht, die falschen Freunde in der Sprache sind dann letztlich wohl harmloser, jedenfalls in den meisten Fällen.
      Auch wenn wir nicht deckungsgleich übersetzen können, sollte neben der Information doch auch die sprachliche Qualität eines Textes transportiert werden, Feinheiten also, die man als Muttersprachler selbstverständlich mitbekommt und die für den Ausländer leicht verloren gehen.

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