Soest 2

HarrijassesFoto: Elfie Voita

Noch einmal ein Bild, das keines Kommentars bedarf, aber nicht unkommentiert bleiben soll. Die Kirche St. Maria zur Wiese ist schön, das erkennt auch jemand, der nicht Architektur oder Kunstgeschichte studiert hat. Prägend für den Raum sind die Fenster, weil es wirklich ungewöhnlich viele Fenster sind und diese Fenster nach modernen Begriffen beinahe bodentief sind… na gut, wirken. Gebaut wurde sie für eine Marienstatue, die sich jetzt allerdings in Werl befindet, aber was soll s, die Kirche steht nun mal, da kann man auf solche Kleinigkeiten nachträglich keine Rücksicht mehr nehmen. Und Werl hat bestimmt auch schöne Kirchen.

Da fällt mir gerade eine seltsame Entwicklung auf: Seit ich nicht mehr zur Kirche gehe, gehe ich öfter in die Kirchen. Ich weiß, dass die Hausherren es nicht so gern sehen, aber mich interessieren Kirchen einerseits als Gebäude, also ihre Architektur, andererseits als Orte der Kunst, denn gerade im Mittelalter war die Kirche nun einmal der wichtigste Auftraggeber für Kunst und dann nicht zuletzt auch historisch, denn wo sonst hat das Mittelalter solche Spuren hinterlassen? Die Begegnung mit der Frömmigkeit jener Zeit, mit dem Weltbild, das sich auch in der Kunst ausdrückt, aber auch mit dem Material, dem behauenen Stein, den ein Steinmetz des Mittelalters mit seinem Zeichen markiert hat, den Fratzen und Wasserspeiern…

Ja, zugegeben, ein Motiv meiner Kirchenbesuche sind die Merkwürdigkeiten, für die es in der Regel ordentliche Gründe gibt: Die übergroße Maria neben der winzigen Kirchenstifterin, der endlos lange Leib des vom Kreuz abgenommenen Christus: Ich weiß, das hat nichts mit handwerklichen Mängeln zu tun, sondern ist Teil der Botschaft. Aber gilt das auch für diesen Christus, der da schwungvoll die Showtreppe hinunter zu schreiten scheint, mit seinem fröhlich rosa Tuch, das doch ganz bestimmt gleich von einem lauen Wind gelüftet wird? Diese Haltung… germanys next topmodel? Nein, ich will hier keine religiösen Gefühle verletzen, ich bin auch nicht homophob,  aber der Künstler, der würde mich schon mal interessieren.

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3 Gedanken zu “Soest 2

  1. „Seit ich nicht mehr zur Kirche gehe, gehe ich öfter in die Kirchen“, ist ein Satz, den ich gut nachempfinden kann. Die nicht mehr vom Glauben getrübten Sinne nehmen Dinge wahr, die du gut beschreibst, die Kunst und die künstlerischen Prinzipien, die Genialität der Baumeister-Architektur und die Spuren des MIttelalters. die uns eine Ahnung geben von kirchlicher Propaganda und mittelalterlichem Denken, zumal die Bilder und Skulpturen von den überwiegend analphabetischen Gläubigen gelesen wurden wie Texte.

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