Das Tier

Wir haben keine Haustiere.

Okay, ich habe schon mal über eine Spinne berichtet, die hier, hinter meinem Monitor, gewohnt hat, falls man das bei Spinnen so sagt. Eine Zebraspringspinne. Spinnen können bis zu drei Jahre alt werden, ‚meine‘ Spinne überwintert also möglicherweise irgendwo zwischen meinen Papieren, Stiften, Büchern und was sonst noch hier rumliegen mag. Der Grünspecht im Garten… nein, kein Haustier, ebenso wenig das vorwitzige Eichhörnchen, dass häufig über unsere Terrasse läuft. Ich hatte auch nie ein Haustier. Meine Schwester schon. Es fing mit einem Hamster an, und ich war verantwortlich dafür, dass sie, als der Hamster einmal im Zimmer unterwegs war, sozusagen Freigang hatte, überstürzt aufstand und mit dem Fuß…, aber das will keiner wissen.

Obwohl wir also gut ohne Haustier auskommen, sind wir aktuell… schon wieder so ein Definitionsproblem: Ersatzherrchen und Ersatzfrauchen? Na, jedenfalls sind wir per Zufall für einige Tage für einen Hund zuständig, dessen richtigen Namen ich hier nicht nennen möchte, auch Hunde haben ein Recht auf ihre Privatsphäre.

Sagen wir also… Paul? Egal. Paul ist nicht mehr ganz jung. Da keiner weiß, wie alt er ist, tippe ich mal auf zehn Jahre. Grau um die Schnauze, ab und an gibt es eine Tablette gegen seine Arthrose. Paul bellt nicht. Nie. Paul äußert sich schon. Fiepen oder Jaulen, tiefes Seufzen und schweres Atmen, das volle Programm.

Paul bewegt sich nur ungern. Spaziergänge sind sehr langwierige Veranstaltungen, weil Paul stehenbleibt, die Welt inspiziert, fernen Klängen lauscht oder Geruchserlebnisse auskostet, die uns verschlossen bleiben. Dann trottet er wieder ein, zwei Schritte weiter.

Paul spielt auch nicht, war auch nie verspielt. Gleich, wenn wir unseren Nachmittagsspaziergang absolviert haben, legt er sich auf den Teppich. Natürlich nicht, ohne vorher überprüft zu haben, ob eventuell noch eine Leckerei im Angebot ist. Paul bettelt nicht. Paul schaut nur traurig. Vorwurfsvoll. Wenn es nichts gibt, legt er sich hin, wendet mir den Rücken zu. Schaut aber noch mal, ob ich sein Elend auch bemerke.

Ich streichele ihm dann über sein borstiges Fell. Hart, widerspenstig, so stelle ich mir ein Wildschwein vor. Dabei aber stumpf, so stumpf, dass man erwarten würde, dass es gleich staubt. Nach dem Kraulen und Streicheln, das Paul mit gesenktem Kopf erträgt, fühlen sich meine Hände fettig an. Paul schaut mich an. Traurig. Streicheleinheiten vorbei, nichts zu Fressen? Hinlegen. Schlafen. Schnarchen.

Ich hoffe, es ist deutlich geworden: Wir lieben diesen Hund!

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14 Gedanken zu “Das Tier

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