Aber Glauben!

Eine schwarze Katze.

Die bringt Unglück oder Glück, wenn sie den Weg kreuzt, je nachdem, ob sie nun von rechts oder von links kommt. Ich habe keine Ahnung, aus welcher Richtung sie kommen muss, damit sie Glück bringt, ich vermute aber, dass die Katze das auch nicht weiß. Auf der Straße bremsen, stehen bleiben, googeln. Von rechts nach links ist gut, habe ich überprüft. Auf jeden Fall bringt es kein Glück, wenn man die schwarze Katze überfährt: der Katze jedenfalls nicht.

Anhalten, die Katze schnappen, über die Straße tragen…die paar Kratzer am Arm… Unterwegs eine Leiter… drunter durch bringt Unglück, also auf die Straße ausweichen. Haarscharf vor dem Auto wieder auf dem Bürgersteig. Wäre ich unter der Leiter durchgegangen, hätte ich so viel Glück bestimmt nicht gehabt. Ist schon was dran an dem Aberglauben… andererseits wäre ich sonst einfach drunter her gegangen, wäre nicht erst auf die Straße ausgewichen und folglich hätte ich das Glück, nicht überfahren zu werden, auch nicht gebraucht. Aber das ist ja auch eines der Prinzipien, nach denen Religionen funktionieren. Sie retten dich aus Problemen, in die du ohne sie niemals gekommen wärst.

Halt, ist die Katze jetzt schon von der falschen Seite gekommen? Also zurück, die Katze in eine Tasche, besser einen katzengeeigneten Reisebehälter, stecken und einen Weg finden, die andere Straßenseite zu erreichen, ohne die Straße zu queren. Das geht mit etwas gutem Willen und der Bereitschaft, auch mal einen größeren Umweg in Kauf zu nehmen. Katzengerechter Reisekasten ist nicht an Bord. Eigentlich ein Unding, wir haben Warnwesten, Erste-Hilfe-Kästen und Warndreiecke im Auto, alles, was wir am Unfallort brauchen, aber nichts, um den Unfall zu vermeiden.

Wie zum Beispiel eine Katzenbox. Also ab in die Hartschalenbox, gut, die ist eigentlich mehr ein Koffer, aber ich finde auf die Schnelle auch keine positiven Auswirkungen, die es haben könnte, eine fremde Katze einfach unkontrolliert im Auto herumspringen zu lassen. Die frisst mir womöglich noch den heiligen Christophorus vom Armaturenbrett. Oder den niedlichen kleinen Schutzengel. Sie mag es offenbar nicht in der Box, tobt da rum, beruhigt sich dann aber bald. Sogar sehr. Beunruhigend beruhigt. Anhalten. Nachdenken. Nachschauen? Ha! Wir sind ja nicht nur abergläubisch, wir haben ja auch ein populärwissenschaftliches Halb… na, sagen wir Achtelwissen. Höchstens. Jedenfalls auf keinen Fall den Kasten öffnen.

Schrödingers Katze. Nein, das ist nicht Schrödingers Katze. Ich weiß nicht, wem diese blöde schwarze Katze gehört. Schrödingers Katze, und ich wäre wirklich glücklicher, wenn der Mann einen kürzeren Namen hätte, meinetwegen Schröder, aber immer wenn man es brauchen könnte, lässt einen das Gedächtnis nicht im Stich, ist nämlich möglicherweise nicht tot. Oder eben doch. Wir können es nicht wissen, solange wir nicht nachschauen. Das hat was mit Quantenphysik zu tun und ich bin mächtig stolz, dass sowas in einem meiner Texte auftaucht. Jedenfalls nicht nachschauen, dann lebt sie nämlich noch. Oder eben nicht.

Eine tote Katze brächte jedenfalls, da bin ich mir sicher, ganz bestimmt kein Glück und was hilft gegen eine Pechsträhne? Das Land verlassen, eine Reise! Na, manchmal ist so ein Aberglaube aber wirklich einerseits teuer, andererseits aber wirklich schön. Wenn ich dann heute Nachmittag meine Frau anrufe und ihr sage, ich sei auf Lanzarote… wegen einer Pechsträhne. Einer blonden vermutlich, wird sie sagen. Flughafen Münster-Osnabrück. Last Minute geht da immer was. Der Mann vom Zoll:“Machen Sie mal die Box auf.“

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15 Gedanken zu “Aber Glauben!

  1. Mal eben so die Quantenphysik in einen Text einbauen. Mein Kompliment! Und dann brachte sie mich auch noch zum Lachen. Schrödingers Katze oder weiter ausgeholt, der ganze Aberglaube. Die armen Viecher. Als ob sie sich aussuchen könnten, mit welcher Farbe sie geboren werden . Die schwarze aus dem Wurf muss – will sie rücksichtsvoll den Menschen gegenüber sein – ihr Leben lang von der richtigen Seite kommen. Die Dreifarbige, darf fett und faul rumliegen und kann kommen von wo sie will – ist ja eine Glückskatze, seit Geburt. Ich mag übrigens die getigerten am liebsten. Das scheint mir ungefährlich zu sein. 😉

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  2. Eine sehr schöne Geschichte! Die blonde Pechsträhne muss ich mir merken. Da das Reimen ja als Merkhilfe erfunden wurde, hier meine Lösung im Sinne von „Aberglauben aber richtig“:
    Von links nach rechts
    bringt’s was Schlecht’s.
    Von rechts nach links,
    Gutes bringt’s.

    Viel Glück!

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  3. Mir lief mal beim Radsport eine schwarze Katze von links übern Weg. Ich bin dann heftig gestürzt und war übersät von Schürfwunden. Hab fast zwei Wochen gelitten und meistens im Bett verbracht. Man könnte ja annehmen, das wäre Zufall, und bei den anderen 100 Katzen, die meine Weg je gekreuzt hätten, wäre schließlich nichts passiert. Aber es war das erste und bisher letzte Mal, dass eine schwarze Katz meinen Weg von links nach rechts gekreuzt hat.

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    • Vermutlich ist es schwarzen Katzen unangenehm, von links nach rechts zu laufen, irgendwas mit dem Magnetfeld der Erde oder dem Gleichgewichtssinn vielleicht. Abgesehen von diesem Unfug: Möglicherweise ist das auch eine Art Self fulfilling prophecy. Man weiß, dass es Pech bringen soll und….

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  4. Pingback: Ring oder Gabelbein | Christa Hartwig's Blog

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