Komischer Vogel

Natur ist ja schön.

Was für ein blöder Anfangssatz. Da ergeben sich doch sofort zwei Fragen: Was heißt hier Natur? Und: Ist Natur per se schön? Diese beiden Fragen möchte ich im Folgenden nicht beantworten. Darum geht es nämlich nicht.

Es geht um den Vogel des Jahres 2014, ich bin also spät dran und kann mich nicht mit anderen Themen aufhalten. Gut, der Vogel des Jahres 2015 ist der Habicht, für alle, die die verbleibenden paar Tage noch nutzen wollen, um dem nächstbesten Habicht zur erfolgreichen Wahl zu gratulieren. Für 2016 steht schon der Stieglitz fest. Ich hatte bisher immer gedacht, das sei ein Stadtteil von Berlin, aber der heißt ja Steglitz, was wiederum ein slawisches Wort ist und bedeutet ‚Ort, wo es Stieglitze gibt‘.

Eigentlich habe ich das auch nicht gedacht, sondern wollte nur einen blöden Wortwitz machen, hat aber nicht geklappt.

Der Vogel des Jahres 2014 steht jedenfalls gerade in meinem Garten herum… ach, würde er es doch nur tun! Stünde er doch einfach nur da herum, aber nein, er tut, was er tun muss: Er zerhackt im Auftrag von Mutter Natur meinen Rasen! Meinen schönen Rasen, den unser Nachbar mit so viel Mühe zu einem dichten grünen Teppich gestreichelt hat. Gemäht, gedüngt, begradigt, gewässert und all das immer und immer wieder. Laub gesaugt und gesammelt. Arbeit investiert, bis jeder fragt, wie man denn einen so schönen Rasen hin bekäme. Und nun das: Der Grünspecht ruiniert ihn. Nicht den Nachbarn, sondern den Rasen.

Gut, der Vogel heißt ja auch Grünspecht, aber dieses Grün habe ich nie auf Rasen bezogen. Sein Gefieder, das sollte grün sein, ist es auch, schön grün. Wie unser Rasen es einst war. Spechte habe ich aber in Bäumen vermutet, an Bäumen. Kopf in den Nacken und ab… , aber nein. Unser Specht… nein, nicht unser Specht, kein Haustier, sondern ungezähmte Wildheit, treibt sich auf unserem Rasen herum und löchert ihn. Erst dachte ich, da ist einer völlig vom Kurs abgekommen, ein Specht auf Abwegen oder vielleicht mit Gehirnerschütterung, der dem Hartholz ausweichen muss. Aber nein. Die Fachliteratur sagt, dass Ameisen zu ihren Leibspeisen gehören.

Auch das noch. Mein Rasen ist offenbar von Ameisen besiedelt, unterwandert sozusagen. Da kommt dann der Grünspecht, ein ausgesprochen schöner Vogel, ziemlich groß, ich hätte ihn gern fotografiert, aber meine Handykamera gibt das nicht her, stolziert über den Rasen und schlägt ein Loch nach dem anderen, tiefe Löcher, also nicht so tief, dass ich da versinken könnte, aber schon … na… acht Zentimeter. Ungefähr. Und das sehe ich mir an.

Gern.

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11 Gedanken zu “Komischer Vogel

  1. Mir fallen in letzter Zeit diese metakommunikativen Sätze bei dir auf, die den Erzählfluss unterbrechen. Genau deshalb habe ich früher gekifft, damit ich mir nicht selbst beim Schreiben reinrede. Als früherer Rasenbesitzer erinnere ich mich, dass Rasen belüftet werden muss. Wir wissen ja nicht, ob der Vogel, Fink oder Specht, das weiß. Aber wenn er wegen der Ameisen pickt und nebenher den Rasen belüftet, handelt sich bei diesem Naturgeschehen um eine nahezu perfekte Symbiose. Die Ameisen dürfte man da freilich nicht zu fragen. Natur ist nur schön, von außen. Beispielsweise fliegende Fische im Mondlicht.Sie sehen, von Bord eines Schiffes beobachtet, faszinierend aus, sind aber eigentlich in Todesangst und flüchten vor Fressfeinden.

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  2. Beneidenswert – ein Grünspecht! Bei mir gibt es „nur“ Buntspechte und nebenan bei den Nachbarn Schluckspechte – haha – die ihre Bierflaschen in meinen Garten werfen. Dafür gibt es dann von mir wiederum Schnecken ohne Ende. Ein Geben und ein Nehmen, so ist die Natur. Auf meinem anderen Blog – ich bin dann mal im Garten – (müsste mir mal einen neuen Namen überlegen) – gibt es einen badenden Graureiher zu bestaunen. Und heute, meine Güte, erwischte ich ein Wintergoldhähnchen im Rhododendron. Der Beitrag kommt aber erst später.

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  3. Der Rasen wird es überleben, im Gegensatz zu den Ameisen. Wühlmäuse wären schlimmer. Sei glücklich dass du so einen hübschen Vogel im Garten hast. Besser als einen im Oberstübchen. Hier ein Sponti-Spruch: Auf dem Baum, da saß ein Specht; der Baum war hoch, dem Specht war schlecht.

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  4. Pingback: Das Tier | Manfred Voita

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