Nachrichten von der Weihnachtsfront

Franz Skarbina: Weihnachtsmarkt in Berlin, 1892

Franz Skarbina: Weihnachtsmarkt in Berlin, 1892

Ein ganz entzückender Kinderchor mit einem Medley weihnachtlicher Weisen, der Duft von frisch gebrannten Mandeln, Reibekuchen, Glühwein, Bier, Currywurst, Döner und Erbrochenem. Weihnachtsmarkt eben. Die Doppelstreife der Polizei soll mir Sicherheit signalisieren, erinnert mich aber zugleich daran, dass in diesem Jahr Sprengstoffgürtel zu einem beliebten Accessoire geworden sind.

Mitten auf dem rappelvollen Weihnachtsmarkt bleibe ich ratlos stehen. Will ich wirklich noch ein Jahr älter werden, um das noch einmal zu erleben? Dann aber geht mir ein Licht auf! Mein Stern von Bethlehem leuchtet mir in meiner tiefen Sinnkrise. Bei all dem Trubel, bei all den Widerwärtigkeiten, bei all den betrunkenen Jugendlichen dürfen wir doch nicht vergessen, worum es wirklich geht, was wirklich wichtig ist: der umsatzstärkste Monat für den Einzelhandel!

 

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12 Gedanken zu “Nachrichten von der Weihnachtsfront

    • Stimmt, kritisch und Konsument geht nicht so gut, ist zumindest nicht so gedacht.Beim Einkaufen als Event zählt mehr die Begeisterungsfähigkeit – und sei sie auch durch geistige Getränke angefeuert. 2 Promille Blutalkohol machen halt mehr Spaß als 2 Prozent Rabatt.

      Gefällt 2 Personen

  1. Ich kenne einen ehemaligen Germanistikstudenten, ein kleiner Mann, Hunderte Mal bin ich an ihm vorbeigegangen und sah ihn in die Jahre kommen und immer mehr verschrumpeln. Jedes Jahr, wenn es kalt genug war, stand er vor einem Kaufhaus in der Nähe des Marktes und verkaufte heiße Maronen. Inzwischen hat er auf dem Aachener Weihnachtsmarkt drei Stände. Er verdient in den Winterwochen soviel, dass er den Rest des Jahres bei seiner Ehefrau in Thailand verbringen kann. Ist doch besser, ihm ein schönes Leben zu finanzieren als alles bei Amazon auszugeben.

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    • Ich verstehe ja, dass es nur einen einzigen Grund geben kann Ägyptologie zu studieren: Man hat vor, Ägypter zu werden. Dass man aber Germanistik studiert, um im Winter Maronen zu verkaufen und den Rest des Jahres in Thailand zu leben, darauf wäre ich nie gekommen.

      Gefällt 5 Personen

  2. Tja … nein, man kann kaum noch etwas zu Weihnachten schreiben. Aber du hast doch noch eine kleine Nische gefunden und eine gesellschaftskritische Miniatur geschrieben, die es auf den Punkt bringt.
    Liebe Grüße, Ingrid

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