Friedenstauben? Vergriffen!

Wie geht es weiter? Die Kommentatoren teilen uns mit, nach den Anschlägen von Paris habe sich die Welt verändert, so wie sie uns das auch schon nach den Angriffen auf das World Trade Center 2001 gesagt haben. Es gibt immer ein ‚vorher‘ und ein ’nachher‘. Was sich tatsächlich ändert, das wissen wir in ein paar Monaten, vielleicht erst in ein paar Jahren, in der Rückschau. Aber was wollen wir ändern? Was muss sich ändern? Sind wir zu liberal, zu weltoffen, zu großzügig?

Die Werte der Französischen Revolution werden jetzt zu europäischen Leitbildern ausgerufen, die es zu verteidigen gilt – und dazu seien auch Einschränkungen unserer Freiheit notwendig. Gut: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Haben wir sie verwirklicht? Manche Probleme, die der reiche Westen mit dem armen Süden hat, gäbe es dann nicht. Pegida gäbe es dann nicht. Brüderlich teilen gehört nicht gerade zu unseren Stärken. Und Gleichheit heißt nicht, dass uns alles gleich ist, gleichgültig.

Bevor wir den Krieg ausrufen, lasst uns die Werte verwirklichen, die wir verteidigen wollen, die es zu verteidigen lohnt. Den Krieg kann man ausrufen, Frieden muss man schaffen.

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12 Gedanken zu “Friedenstauben? Vergriffen!

  1. Gut, dass du mäßigende Worte findest, lieber Manfred. Mir geht es wie Mitzi, muss erst mal Abstand gewinnen. Nach solchen Anschlägen ist ja immer die Stunde der Betroffenheitsheuchler. Soweit sie zur politischen Elite gehören, ist es besonders widerlich, weil sie die westliche Verantwortung für die Destabilisierung einer ganzen Region, die Bewaffnung des IS und überhaupt für die Radikalisierung islamitischer Eiferer unterschlagen. Ich wundere mich auch über die Leute, die wegen der Toten in Paris im Leid versinken, aber mit den 150.000 zivilen Toten im Irakkrieg und dem alltäglichen Sterben in Syrien und im Mittelmeer keine Probleme zu haben scheinen. Das ist bigott und lässt mich am Gemütszustand der Leute schier verzweifeln.

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    • Paris ist nicht weit weg. Was dort geschieht, kann auch hier geschehen, es macht uns Angst und deshalb sind wir betroffener. Ich will nicht einmal bezweifeln, dass es echtes Mitleid gibt, gerade unter uns „Alltagsmenschen“. Amerika und England haben uns aber auch gelehrt, dass es leicht ist, Gefühle zu instrumentalisieren und nationale Betroffenheit in internationale Einsätze umzumünzen.

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      • Das scheint ein Phänomen zu sein, das mir erstmals bei Diana aufgefallen ist: der Wunsch, die eigne Anteilnahme öffentlich zu zelebrieren. Die Kerzen in den Fenstern kenne ich noch aus der Zeit, als sie für die Brüder und Schwestern in der DDR standen. Ein kurzer tiefer Schmerz ist auf die Dauer auch einfacher, als langes intensives Nachdenken.

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