Im Kino

Wir waren im Kino. In Warendorf. Die Leinwand ist kaum größer als das, was andere Leute inzwischen als Fernsehgerät im Wohnzimmer hängen haben. Einrichtung aus den siebziger Jahren, nein, nicht bei den Leuten mit den Großbildfernsehgeräten. Das Bild ist scharf, der Ton ist gut, gut genug. Kaum ist das Licht aus und die Werbung für die Tribute von Panem, den neuen Bond und die Fortsetzung der Starwars-Reihe durch, sind die Siebziger genauso unbedeutend wie die Gegenwart, denn „Der Staat gegen Fritz Bauer“ packt mich, packt uns ganz unmittelbar. Wer jedoch special effects, Verfolgungsjagden, Kampfszenen und Blut sehen will, ist hier völlig falsch. Ich weiß allerdings nicht, ob die Darsteller sich für die gefährlichsten Szenen des Films doubeln ließen – auf der Leinwand wird nämlich fast ununterbrochen geraucht!

Weder Action noch komödiantische Einlagen stehen auf dem Programm. Obwohl diese Hauptfigur, ganz hervorragend gespielt von Burghart Klaußner, zunächst einmal fast lächerlich antiquiert aussieht. Aber wir sind auch in den frühen sechziger Jahren, in der Adenauerzeit. In der Zeit, in der die Bundesrepublik streng nach vorn sah, weil der Blick zurück zu schmerzhaft war und viele auch gute Gründe hatten, so schnell wie möglich Grass über die Ereignisse und ihren eigenen Anteil daran wachsen zu lassen. Fritz Bauer wird Generalstaatsanwalt in Frankfurt und macht sich auf die Suche nach den untergetauchten NS-Größen. Dabei findet er allerdings kaum Rückhalt bei den staatlichen Institutionen, im Gegenteil, der Bundesnachrichtendienst, durchsetzt mit Altnazis, stellt ihm nach und versucht, ihn möglichst aus dem Amt zu drängen. Und dann ergibt sich die Chance, Adolf Eichmann zu stellen…

Ein fantastischer Film mit einem knarzigen Burghart Klaußner, mit vielen Details, die uns die Nachkriegsjahre vor Augen führen und mit einer Geschichte, an die wir uns erinnern sollten.

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4 Gedanken zu “Im Kino

  1. Mit Micha Brumlik, als er kurz darauf Leiter des Fritz-Bauer-Instituts wurde, durfte ich mal in der Jury des Büchergilde-Essay-Preises sitzen, da wurde dann Marcus Hammerschmitt gewählt, der seine Texte seit je mit kritisch-theoretischem Impuls schreibt. Überhaupt, in Frankfurt wurde viel diskutiert und ins Kino gegangen.

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