Hamel schofel!

Mir hört ja keiner zu. Gut, das bin ich gewöhnt, schließlich bin ich verheiratet und habe zwei Töchter. Außerdem arbeite ich in der beruflichen Erwachsenenbildung, einer Nische unseres Bildungssystems, in der es nicht möglich ist, die Aufmerksamkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Druck oder Drohungen zu erzwingen – nicht, weil ich es nicht möchte, sondern weil es sich um Erwachsene handelt, die im Schnitt nicht unbedingt größer, aber praktisch immer stärker sind als ich. Aber ich schweife ab. Meinen Münster-Bericht habe ich nämlich mit ‚Jovel‘ beendet und das blieb völlig unbemerkt oder unkommentiert. Dabei unterstelle ich, dass außerhalb Münsters dieses Wort nicht zur Umgangssprache gehört.

Ein lokale Besonderheit Münsters ist nämlich das Masematte. War das Masematte, müsste ich eigentlich sagen, denn in der Folge der nationalsozialistischen Verfolgung und durch die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs ist diese Sprache ausgestorben. Einige Begriffe haben sich allerdings erhalten und sind in Münster ganz alltäglich.

Das Masematte ist eine Randgruppensprache, die Elemente des Rotwelschen, des Jiddischen, aber auch der Sprachen der Sinti und Roma enthält, also eine Händler- und Gaunersprache, eine Sprache der einfachen Leute, die sich damit vor unerwünschten Zuhörern schützten. Sie umfasste nur ca. 500 Wörter und war damit auch nur für bestimmte Situationen geeignet. In Klein Muffi oder im Kuhviertel, heute ein Kneipenviertel, sprach man Masematte. Die Gegend hatte keinen guten Ruf, es hieß: ,Tasche, Brink und Ribbergasse – Messerstecher erster Klasse!‘.Die genannten Straßen gibt es längst nicht mehr, dort lebte, wer in der städtischen Gesellschaft zu den Verlierern gehörte.

Heute ist Masematte gerade unter den Studierenden beliebt. Wer in Münster lebt, wird sein Fahrrad Leeze nennen. Wenn etwas schön ist, ist es jovel, Unangenehmes hingegen ist schofel. Kinder sind ganz selbstverständlich Koten. Kindergeld heißt entsprechend Kotenmoos. Und in Münster maimelt es manchmal hamel: dann regnet es sehr. Mein Wortschatz ist damit auch schon aufgebraucht, aber, wie gesagt, ich wohne ja auch nicht mehr in Münster.

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2 Gedanken zu “Hamel schofel!

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