Vier zu eins

Ich meine mich zu erinnern, dass ich schon von unserer Berlinreise berichtet habe… aber so ist das wohl, wenn Provinzler in die große Stadt fahren: Noch tagelang tun die Füße weh und noch länger dauert es, bis die Eindrücke sortiert, bewertet und abgeheftet sind. Manchmal helfen die Nachrichten dabei, ein Erlebnis wieder aufzufrischen, was im Falle von Vapiano natürlich nur dem Gedächtnis, nicht aber den umetikettierten Lebensmitteln nützt. Manchmal blättert man in seinen Fotos (ein Euphemismus: wer blättert schon noch, wenn alles digital ist), sieht und denkt: Da lege ich mir doch einen digitalen Friedhof an. Arno Schmidt ruht in Bargfeld, den werde ich für meine kleine Gräberschau nicht umbetten lassen, sein Grab ist aber hier zu sehen. Für alle, denen es – warum auch immer – etwas bedeuten mag, hier also ein paar Bilder vom Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.

Bertolt Brecht

Hegel

Arnold Zweig

Heinrich Mann

Anna Seghers

Vier zu eins übrigens, weil neben den vier Grabsteinen, die an Autoren und Autorinnen erinnern, der Philosoph Hegel in diese Reihe aufgenommen werden musste.

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10 Gedanken zu “Vier zu eins

  1. War denn (fußschonend) auch das gleich neben dem Friedhof gelegene Brecht-Haus (Chausseestraße 125) einen Besuch wert? Mindestens eine der Topfpflanzen auf der Fensterbank soll dank guter Pflege noch aus Brechts Zeit stammen. – „Wie nah sind uns manche, die tot sind, und wie tot sind uns manche, die leben.“ (nicht von Brecht, von Biermann)

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      • Na, meine Führung liegt so ca. sechs Jahre zurück. Vielleicht ist die Pflanze inzwischen eingegangen. Dass die Archivmitarbeiter der Akademie in ihrem Engagement nicht nachgelassen haben, freut mich natürlich.

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  2. Danke für diese fotografischen Eindrücke. Dem Grabstein von Arnold Zweig mangelt es leider an Stilsicherheit. Der handschriftliche Namenszug, wohl seiner eigenen Signatur nachempfunden, ist doch viel zu zart für den grob behauenen Stein. Gut gemeint, aber schlecht gemacht.

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  3. Du stellst damit letztlich die Frage, was auf ein Grab / einen Grabstein gehört und was nicht. Ältere Grabinschriften nennen nicht nur den Namen, sondern auch den Beruf, die sogenannten sprechenden Grabsteine z. B. auf Föhr erzählen vom Leben und Tod der Verstorbenen und ihrer Angehörigen. In Amsterdam gibt es Gräber mit gravierten oder drucktechnisch aufgetragenen Abbildungen der Verstorbenen 1. mit Pferd und Wagen und 2. mit ihrem Mercedes. Vieles ist denk- und machbar, so, wie wir in der Uniformität der Wohngebiete oder der Moden unsere Individualität zu erhalten suchen, so versuchen einige das vielleicht mit diesem sehr persönlichen Schriftzug. Ein Grabstein mit meiner Unterschrift würde mein Grab allerdings automatisch zu einem anonymen Grab machen.

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  4. Es geht mir auch um die Frage, was eigentlich eine Unterschrift bedeutet. Wurde hier ein Rechtsgeschäft unterzeichnet oder der eigene Tod belaubigt? „Hiermit bestätige ich, nach landläufiger Vorstellung tot zu sein. Meine Schriften aber Leben weiter“? Überdies ist es formal nicht geschickt, den leichten Federstrich in den Stein zu graben, was sowieso der Steinmetz getan hat, wobei er keinen eigenen Schwung gezeigt hat, was auch das Medium Stein gar nicht zulässt, sondern den Schwung einer fremden Hand nachgeahmt, eigentlich gefälscht hat.

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    • Ja, in dieser Unterschrift schwingt ein wenig das Unterschreiben des eigenen Todesurteils mit. Bei den Prominentengräbern würde ich diese Unterschrift aber eher als eine Art letztes Autogramm für die Nachwelt sehen, weniger als Unterschrift. Ganz sicher hast du Recht, wenn es um die Umsetzung geht. Vermutlich spricht gegen eine korrekte vergrößerte Unterschrift das Risiko des Missbrauchs. Sonst gäbe es plötzlich noch mehr signierte Dali-Bilder oder Testamente von Friedrich Karl Flick.

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