Ruhe

Berlin lässt sich selbstverständlich nicht darauf reduzieren, dass es an manchen Stellen etwas streng riecht. Es ist eine sehr lebendige Stadt – und was mache ich in einer solchen Stadt? Ich gehe auf den Friedhof. Da hab ich meine Ruhe, wenn es auch nicht gleich die ewige sein muss.

Der Friedhof der Georgen-Parochialgemeinde hinterlässt allerdings einen zwiespältigen Eindruck. Überall in der Stadt wird renoviert, restauriert oder gleich neu gebaut, nicht so auf dem Georgenfriedhof. Hier dürfen die Gruften und Grabmale in aller Schönheit und Schrecklichkeit verfallen. Ein bröckelnder Stein, ein angeschlagener Engel, ein schiefes Kreuz, zeugen von der Zeit, die Wunden heilt und Trost spendet. Eine aufgebrochene Gruft, die den Blick freigibt auf unterirdische Räume, in denen einst die Särge standen, Grabsteine, die Spuren des Krieges tragen, machen klar, letztlich gibt es eben keinen Ort der ewigen Ruhe, keine letzte Sicherheit, keine Würde der Toten.

Nur Leben und Tod.

Keine überraschende Erkenntnis, aber manchmal muss ich dafür einen Ort wie den Georgenfriedhof aufsuchen.

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3 Gedanken zu “Ruhe

  1. Da gibt es viele Parallelen zu Köln. Nicht nur hier wird also gebaut, nicht nur hier dürfen alte Grabmäler verfallen (Melatenfriedhof). Und auch hier ist es mit der Totenruhe nicht weit her. Kurz vor Allerheiligen sind die Laubbläser zu Gange und ich habe auch schon mal Friedhofsgärtner gesehen, die sich mit ihren Miniautos ein Wettrennen lieferten.

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