Zurück, aber haarscharf

 

Es gibt Themen, die fließen einem leichter aus der Feder. Aber es muss sein. Und damit bin ich auch schon bei meinem Thema: dem Müssen. Der Anlass ist rasch erklärt. Wir waren ein paar Tage in Berlin. Nicht zum ersten Mal, aber zumindest für mich das erste Mal seit… 1990? Für alle, bei denen das ähnlich ist: Es hat sich einiges verändert und ich für meinen Teil weiß noch nicht, wie ich zu all diesen Veränderungen stehe. Vielleicht muss ich noch mal hinfahren, um genauer zu wissen, was ich über Berlin denke, was ich von Berlin halten soll.

Auf jeden Fall stank mir die Stadt. Freilufturinieren scheint eine Art Sport geworden zu sein, zumindest eine weit verbreitete Beschäftigung, der keineswegs immer nur heimlich oder bei Nacht nachgegangen wird. So monumental, wie einiges von dem, was sich gerade in Mitte tut, was gerade in Mitte getan oder was Mitte gerade angetan wird, so monumental, so aufdringlich ist das, was unter Brücken, in Unterführungen und an anderen Stellen an Geruchsimpressionen vorgehalten wird.

Ich will ja nicht jammern… aber ich tue’s. Umso schlimmer, dass ich mir nun auch noch selbst in den Rücken fallen muss. Auf der Rückfahrt – per Bahn – verspürte ich einen zunehmenden Druck, ein Bedürfnis, dem ich nachgeben wollte und schließlich auf einer Bahnhofstoilette auch nachgeben konnte. Eine dieser modernen Anlagen, die WC-Center heißen und nicht einfach öffentliches Klo. Personal ist nicht zu sehen, diese Center reinigen sich vielleicht auch selbst, jedenfalls kann nach Münzeinwurf ein Drehkreuz bewegt werden und gibt den Zugang zum WC-Center frei.

Allerdings verweigerte es in meinem Fall die Rückkehr in den Bahnhof. Während meine Frau allein mit dem Koffer auf Bahnsteig 2 auf die verspätete Regionalbahn wartete, versuchte ich an dem Drehkreuz zu rütteln. Mehr als ein warnendes Piepen waren meine Bemühungen wohl nicht wert. Eine Frau, die sich noch jenseits des blockierten Ausgangs befand, betrachtete meine Anstrengungen mit Argwohn, weigerte sich aber, mit dem Einwurf eines weiteren Euros das Drehkreuz auf seine Funktionsfähigkeit zu testen bzw. ihm seine Pflichten in Erinnerung zu rufen. Während ich also schon darüber nachdachte, wie ich das Hindernis überwinden könnte, gab das Tor schließlich doch noch nach und ging auf. Ich war frei, verstand aber plötzlich die Wildpinkler viel besser.

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8 Gedanken zu “Zurück, aber haarscharf

  1. Das Bahnhöfe stinken ist ein Unding, aber irgendwie sind sie selbst schuld. 2€ sind für sehr viele Menschen sehr viel Geld und Menschen haben nun einmal Bedürfnisse. Wenn es mehr öffentliche Toiletten gäbe, wäre all das kein Problem.

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  2. Das mit dem Geruch habe ich bei meinem letzten Besuch auch festgestellt. Weiterhin fiel mir auf, dass auf den großen Einkaufsstraßen von einigen Geschäften Wohlgeruch auf die Straße gepustet wird. Ob da wohl ein Zusammenhang besteht?

    Gefällt 1 Person

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