Querzeit

Querzeit,  ich zitiere einfach mal ihre Selbstdarstellung: „… ist die Seite einer freien und unabhängigen Gruppe bestehend aus Künstlern, Kulturschaffenden, Visionären und Autoren aus verschiedensten Lebensbereichen. Das Ziel ist eine selektive Berichterstattung zur Schärfung der kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Wahrnehmung, der konstruktiven Meinungsbildung und des Denkens quer zur Zeit. Lasst aus Gedanken Visionen werden!“ war so nett, mir den Raum zu bieten, meine aktuellen Veröffentlichungen auch einmal außerhalb meines eigenen Blogs zu präsentieren. Dafür habe ich einen kleinen Text gebastelt und ein paar Bilder bereit gestellt.

Mein Thema in der Querzeit ist wieder einmal das lästige Marketing. Letztlich geht es immer wieder darum, dass es kleine Verlage sind, bei denen meine Texte erscheinen. Diese Verlage geben sich Mühe, die Bücher unters Volk zu bringen, aber sie erwarten dabei ein wenig Unterstützung. Als gelernter Kaufmann kann ich mich betriebswirtschaftlichen Erwägungen nur schlecht entziehen, aber ich bin kein geborener Verkäufer. Man findet mich also nicht in den örtlichen Buchhandlungen mit einem Stapel der Neuerscheinungen – obwohl ich genau das wohl tun sollte. Also schreibe ich, nachdem ich schon einen Text für eine Anthologie geschrieben habe, einen weiteren Text, damit jemand davon erfährt, dass es diese Anthologie gibt, gebe diesen Text jemanden, der dann schreibt, dass ich diesen Test geschrieben habe, der auf meinen Beitrag in der Anthologie verweist. So ungefähr.

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14 Gedanken zu “Querzeit

    • Puh… Wie viel Zeit hast Du?
      Das Ziel? Ein Ziel ist es sicherlich, eine Reaktion zu erhalten. Nur für die Schublade zu schreiben, kann auf die Dauer nicht zufrieden machen. Lob und Kritik helfen weiter. Eine Zielgruppe habe ich nicht, aber ich stelle mir schon Leserinnen und Leser vor, die mit etwas Humor gesegnet sind… Jetzt, wo Du fragst, wird das Bild meiner Zielgruppe natürlich ständig deutlicher, ich habe es nie ausformuliert, aber es sind wohl Menschen, die damit leben können, dass die Welt nicht perfekt ist und nicht alles gut ausgeht. Da ich gern mit Anspielungen arbeite, dürfen meine Leserinnen und Leser auch gern etwas bewandert in der Geschichte, Literatur und Politik sein. Das hilft, ist aber nicht zwingend. So, wie man mittelalterliche Malerei mögen kann, ohne die biblischen Geschichten zu kennen, die ihr oft zugrunde liegen.
      Warum ich schreibe? Es ist – wie mein Nachdenken über meine Zielgruppe gerade zeigt – auch eine Art, über die Welt nachzudenken. Schreiben macht mir Spaß und Kummer und Ärger, frisst meine Zeit begeistert mich. Und ich schreibe, weil ich nur beim Schreiben die Erfahrung meiner eigenen Kreativität machen kann, für alle anderen Künste bin ich wohl zu ungeschickt.

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      • Lieber Manfred, vielen Dank für deine Antwort auf meine Fragen. Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass du so ehrlich und direkt antwortest. Autoren die ihre Werke über einen Verlag veröffentlichen, müssen manchmal die Fragerei, über sich ergehen lassen. Die Reaktion darauf, war bis jetzt fast immer die selbe. Die Autoren haben sich wenig mit dem Ziel Ihres Schreibens und den Zielgruppen auseinandergesetzt oder wollten nicht darüber Auskunft geben. Meinst du, dass Künstler ihr Schaffen ziellos ausrichten? Und ist es nicht vermessen, sich selber für einen Künstler zu halten? Bestimmen am Ende nicht die Leser, Zuhörer oder Betrachter, im allgemeinen die Öffentlichkeit, ob ein Werk Kunst ist? Die Verkaufszahlen habe ich an dieser Stelle absichtlich weggelassen, weil die aus meiner Sicht stark manipuliert oder gesteuert werden können.
        Deine Antwort auf meine Frage „Warum schreibst du?“ gefällt mir gut, deine Offenheit macht dich sympathisch. Mit deiner Antwort auf diese Frage, ist mir bewusst geworden, das mir schreiben auch Kummer und Ärger macht. Jedenfalls weiß ich jetzt, dass es nicht nur mir so geht und ich deshalb nicht den Spaß am schreiben verlieren muss.

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      • Ob man Künstler ist, bestimmt im Zweifelsfall das Finanzamt, das einen als Freiberufler anerkennt oder nicht. Aber das ist es natürlich nicht, woran du gedacht hast. Ich würde mich nicht als Künstler bezeichnen wollen, Autor ist schon besser. Obwohl beide Begriffe inflationär verwendet werden. Wer die Deutungshoheit hat, ist auch eine spannende Frage. Kann man nur dann Künstler sein, wenn man auch wahrgenommen wird bzw. von der Öffentlichkeit als Künstler eingeordnet wird? Das kann nicht richtig sein, dann war Kafka lange kein Künstler und dann doch. Und Bach erst Künstler, dann kein Künstler mehr und jetzt wieder. Es gab mal den Begriff „Kulturschaffende“, der hat mir gefallen. Und ziellos arbeiten? Ich bin davon überzeugt, dass man über das, was man tut, ob man nun schreibt oder malt oder BWL unterrichtet, immer auch sich selbst und die eigenen Haltungen und Werte transportiert. Nicht immer in einem Text, aber über eine bestimmte Zeit sollte schon erkennbar werden, wofür man steht. Und viel mehr kann man meistens nicht tun, denn der direkte Aufrug zur Tat ist wieder etwas anderes. Über Verkaufszahlen möchtest du lieber nichts wissen, kaum ein Autor kann vom Schreiben leben bzw. auch nur ein Zubrot verdienen.

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  1. Hab gerade leichtfertig den Gefällt-mir-Button gedrückt, aber dann fiel mein Blick auf deinen letzten Nebensatz. Äh, das gefällt mir natürlich nicht. Andererseits ist es nicht besonders erstrebenswert, auf zwei, drei oder vier Hochzeiten zu tanzen. Irgendein Talent muss man allein aus Zeitgründen vernachlässigen. Und beklagen kannst du dich auch nicht, weil du doch mit Herz und Seele Autor bist und dir selbst und anderen mit deinem Schreiben ein Lesevergnügen bereiten kannst. Was das leidige Thema Vermarktung angeht, das scheint primär ein Problem von Autoren zu sein. Ich kenne viele bildende Künstler, denen ist ihre Kunst genug, und das öffentliche Echo egal. Mein leider toter Freund Thomas sagte beispielsweise immer über einen kleinen Raum, der mir und vermutlich allen anderen verschlossen blieb: „Da lagern ´hunderte Bilder, die keines Menschen Auge je gesehen hat.“ Er wird beim Zeichnen trotzdem die Augen aufgemacht haben. Ein anderer Maler musste erst lange gedrängt werden, damit er eine Ausstellung bestückte. Da hatte sein ganzes Lebenswerk noch niemand gesehen.Sein Freund, mein ehemaliger Mentor in Kunst und aufch guter Freund half beim Organisieren dieser Ausstellung. Befragt, warum er nicht die Energie in eine eigene Ausstellung stecke, winkte er ab. Will sagen: Wir wissen doch alle, wie der Literatur- und Kunsstmarkt ffunktionieren und dass nicht unbedingt das Beste nach oben schwimmt bzw. befördert wird. Das könnte einen auch beruhigen. Einige freundliche Bemerkungen von Blogleserinnen und -lesern reichen doch, das eigene Ego zu befriedigen, damit man sich wieder mit Freude seinem Talent widmen kann.

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  2. Wenn die werte Frau Ohneeinander mich fragen würde, für wen ich schreibe, würde ich sagen für mich und dich. Und natürlich auch für dich und für alle anderen, die mir mit ihrer Aufmerksamkeit soziale Energie zukommen lassen, die wiederum mich und mein Schreiben vortreibt. Es gibt hier so viele beglückende Erfahrungen und so anregende Kontakte, so dass ich für mich einen Sinn gefunden habe. Und dazu muss ich mich nicht mal vermarkten, was ohnehin ein hässliches Wort für eine unerquickliche Sache ist.

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    • Lieber Jules, Texte die man publiziert haben einen anderen Hintergrund, als Texte die man nur für sich schreibt? Ihr zwei, also du und Manfred, ihr redet ja immer von Talent. Woher nehmt ihr die Gewissheit? Ist das öffentliche schreiben nicht auch eine Suche nach Aufmerksamkeit oder Bestätigung? Ist für sich schreiben am Ende nicht vergleichbar mit Selbstgespräche führen. Ist Schreiben am Ende nicht sogar ein Selbstgespräch? Oh je. Mir platzt gleich der Kopf. Kann Aufmerksamkeit erhalten, durch Schreiben, wirklich einen Sinn machen? Oder ist Schreiben und das anschließende veröffentlichen, nur Eitelkeit und/oder Selbstverliebtheit?

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      • Liebe Frau O,
        zuerst mal wäre zu klären, was Schreiben überhaupt ist. Der Aufsatzdidaktiker Joachim Fritzsche hat in den 70ern deutlich gemacht und ich war froh darum, denn ich musste als Deutschlehrer ja begründen, warum ich meine Schüler Aufsätze hab schreiben lassen:

        a) Schreiben objektiviert. Während der Sprecher, mit dem, was er sagt, eine Einheit bildet, veräußert der Schreibende seine Vorstellungen und tritt ihnen gegenüber. Er kann sich selbst beurteilen wie einen Fremden. Das Subjekt wird Text.
        (Das entspricht deiner Idee vom „Selbstgespräch“)

        b) Schreiben isoliert. Der Schreibende ist auf sich selbst angewiesen; keiner springt ihm bei, wenn ihm ein Wort fehlt; aber es fällt ihm auch keiner ins Wort.

        c) Schreiben provoziert. Der Schreibende muss alles, was er zum Ausdruck bringen will, verbalisieren, d.h. ihm eine verstehbare Form geben. In der geschriebenen Sprache muss alles bis zu Ende gesagt werden.

        d) Schreiben fixiert. Der Schreibende legt sich beim Schreiben fest, er verpflichtet sich. Seine Äußerungen werden interpretierbar, kritisierbar, diskutierbar.

        Mit dem, was der Mensch schreibt, schafft er etwas, was nicht so schnell verfliegt wie das gesprochene Wort. Wer das veröffentlicht, tut das mit dem Anspruch, dass dem riesigen Korpus an Literatur noch etwas hinzuzufügen wäre. Manfred hat erklärt, dass es ihm auch Vergnügen macht, mit Sprache umzugehen, mit Sprache quasi zu malen. Mir geht es ähnlich. Schreiben ist ein lustvoller Akt. Und wenn einem was gelungen ist, möchte man das zeigen, um das Vergnügen beispielsweise zu teilen. Gut zu schreiben besteht aus 98 Prozent aus Arbeit, der winzige Rest ist Talent.
        Wie groß die Eitelkeit ist, muss jeder für sich klären. 😉

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      • Lieber Jules,
        gibt es deshalb so viele Veröffentlichungen, weil jeder meint, schreiben zu können. Getreu dem Motto: Ich habe gelernt zu schreiben. Warum sind trotzdem so viele Autoren erfolglos? Gelingt es ihnen womöglich gar nicht, richtig oder gut genug zu schreiben? Es gibt nichts, worüber noch nicht geschrieben wurde. Also kommt es nicht darauf an, was man schreibt, sondern wie man schreibt. Es gibt nur wenige Autoren die über ein Thema so schreiben, wie es vorher noch keiner geschafft hat.

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      • In den Anfängen von Schtiftkulturen, ist Schrift immer nur einer kleinen meist religiösen Kaste vorbehalten. Die Schrift ist bei uns Allgemeingut, durch das Internet ist es auch die technische Schrift geworden, weshalb jeder das Recht har zu schreiben und im Internet zu veröffentlichen, unabhängig davon, wie gut jemand schreiben kann. Ich glaube fest daran, dass Schreiben bildet. Darum begrüße ich die Demokratisierung der technischen Schrift. Aber man muss sich klar machen, dass in der Buchkultur das uns bekannte Schreiben nach Marktgesetzen funktioniert. Was viele lesen wollen, wird gedruckt, und wenn es Dieter Bohlens Bericht über seinen Penisbruch ist. Ob man über ein Thema schreiben kann, wie es vorher noch keiner geschafft hat, gehört zu einer ganz andere Kategorie und interessiert die Verlage und den Buchhandel nur tertiär, je nach Vermarktungschancen, den die BWL-Adepten, sprich Buchhalter ausrechnen.

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      • Dann haben also Verlage und Buchhalter schuld, dass der Buchmarkt mit Literatur zugemüllt wird, die keiner lesen will? Das glaube ich nicht. Ich denke die Menschen überschätzen sich. Wer glaubt der deutschen Sprach mächtig zu sein, muss noch lange kein guter Autor sein.

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      • Da hast du allerdings Recht, meine Liebe. Der Kölner Dadaist und Surrealist Max Ernst berichtet, der Arzt André Breton habe die Gruppe der Pariser Surrealisten zu einer Mauer geführt, gegen die Tuberkulosekranke zu spucken pflegten. Man hoffte, aus den Schlieren an der Wand gehörige Inspiration zu ziehen. Die Technik wird heute noch beim “kreativen Schreiben” angewandt. Auswurf gibt es genug auf der Welt, und wo immer einer hingespuckt hat, steht ein anderer und schreibt einen Roman. Manche beherrschen nicht mal ihr Handwerk, wie in Autorenforen bereitwillig eingestanden, müssen aber unbedingt ein Buch schreiben. Der Altertumsforscher Werner Ekschmitt hat schon 1968 auf eine interessante Parallele hingewiesen. Er beschreibt die Bibliothek von Alexandria, die vor ihrer Zerstörung 490.000 Papyrusrollen enthalten haben soll. Für Ekschmitt ist das Anwachsen der Textproduktion ein Zeichen für untergehende Kulturen. Die Menschen untergehender Kulturen könnten die Wörter nicht mehr bei sich behalten.

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  3. Ja… das war eine Frage von Frau Ohneeinander, die so sehr auf der Hand liegt,dass man sich wundert, wenn sie einer stellt. Was Vermarktung angeht, werden wir wohl unsere unterschiedlichen Positionen immer wieder einmal feststellen müssen, ich verstehe deine Sicht, sehe aber auch, dass wir etwas tun, das einen Wert hat – und während wir für alle anderen Leistungen ganz selbstverständlich ein Entgelt entrichten, verschenken wir unsere Texte. Das ist schön, funktioniert aber nur, wenn wir das subventionieren können. Solange also andere Leistungen – z. B. Konzertbesuche – einen Preis haben, spricht für mich nichts dagegen, auch für eine Kurzgeschichte zu bezahlen. Ich lebe nicht vom Schreiben, deshalb ist Marketing für mich auch nur eine Nebensache. Aber ich bin – wie gesagt – auch gelernter Kaufmann. Selbstverständlich rede ich nicht davon, dass es erstrebenswert wäre, immer mehr Inhalte im Internet kostenpflichtig zu machen. Aber neben diesem freien Angebot darf es eben auch eins geben, das seinen Preis hat.

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    • Der Wunsch, mit Schreiben Geld zu verdienen, liegt nah, ist aber in der Vergangenheit bei vielen großen Autoren nicht der Grund für ihr Schreiben gewesen, weil sie die Drucklegung ihrer Texte überhaupt nicht erlebt haben. Kafka, Lichtenberg, um nur zwei Beispiele zu nennen. Kafkas Texte habven wir nur, weil sich sein Freund Max Brodt über Kafkas Wunsch hinweggesetzt hat, die Manuskripte nach seinem Tod zu vernichten. Lichtenberg dachte überhaupt nicht daran,dass seine Sudelbücher je gedruckt werden würden. Wenn man nicht darauf angewiesen ist wie Knut Hamsuns autobiographischer Protagonist in „Hunger“, ist es vielleicht besser, sich dem Markt nicht anzubieten, weil da seltsame Zwänge entstehen können. Kein Journalist wagt es beispielsweise, sein ehrliche Meinung zu schreiben. Das wäre beruflicher Selbstmord. Warum das Schreiben im Internet etwas Anderes ist als im Printmedium, habe ich hier mal aufgeschrieben:
      http://trithemius.de/2012/04/17/schreiben-abseits-der-millionen-trotzdem-unbezahlbar/

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