Kurzgeschichte: Nächtliche Begegnung

Hanna Mandrello hat wieder einmal eine Schreibaufgabe gestellt – und ich kann solchen Aufgaben nur schwer widerstehen. Hier ist die Aufgabe nachzulesen: http://mandrello.com/2015/08/31/schreibaufgabe-der-woche-7-ein-titel/

Nur ein bisschen Mond, sonst kaum Licht. Nur weiter hinten, undeutlich im strömenden Regen glimmt ein schwaches gelbes Licht, wohl an einem der wenigen noch genutzten Lagerhäuser am alten Kanal. Ein stiller, ein einsamer Ort… bis auf die Schreie. Ich sehe mich um, aber nirgends geht ein Licht an, niemand kommt.
Doch… Schritte auf dem Kopfsteinpflaster.
Wieder ein markerschütternder Schrei.
Stille. Dann wieder die Schritte, schneller diesmal. Jemand kommt.
Nein… es sind zwei, ich kann sie jetzt sehen. Ich weiche etwas zurück, will nicht bemerkt werden. Sie gehen hintereinander, tragen etwas, setzen es ab. Stimmen. Ich verstehe nicht, was sie sprechen, höre es kaum, aber ich sehe den Teppich, einen langen, aufgerollten Teppich. Sie heben ihn wieder an, ächzend. Das Ding scheint schwer zu sein. Sie holen Schwung und werfen ihre Last in den Kanal. Ohne sich umzudrehen gehen sie rasch zurück. Ich steche noch einmal zu. Jetzt ist Ruhe.

 

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4 Gedanken zu “Kurzgeschichte: Nächtliche Begegnung

    • Danke. Der Reiz an gestellten Aufgaben besteht für mich darin, dass ich mich dann von der ersten Idee selbst überraschen lassen kann und einen Text schreibe, an den ich nie zuvor gedacht hätte. Die Wirkung, die dieser Text dann vielleicht hat, kann ich erst viel später beurteilen. Dafür brauche ich Reaktionen wie deine – aber genau so die der Leser, die mit dem Text nichts anfangen können oder mir sagen, wo er seine Schwächen hat.

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  1. „Bis auf die Schreie“ vermittelt eine schaurige Vorstellung .Schreie, aber die Handlung geht gnadenlos weiter. Nur, wem gilt der letzte Stich? Das erschließt sich mir auch nach dem 3. Lesen nicht. Stehe mir wohl auf der Leitung.

    Frage nebenbei: Muss der Beitrag zu „Nächtliche Begegnung“ ein Krimi sein?

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  2. Hab gerade gesehen, dass du den Weg zu Hanna gefunden hast und inzwischen weißt, dass es kein Krimi sein muss. Zu meinem Text: Da schreit jemand, auf den der Ich-Erzähler offenbar schon eingestochen hatte und der nach dem letzten Stich dann endlich Ruhe gibt… So hatte ich mir das gedacht, aber, wie bei Hanna schon gesagt, wenn das bei dir so nicht ankommt oder funktioniert, dann lässt sich das eigentlich nicht dadurch lösen, dass ich darüber schreibe, was ich wollte.

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