Draußen vor der Tür

Unbenannt

Worüber, so mag man sich fragen, denkt dieser Mann nach? Sinnt er darüber nach, wieso er im Eingang einer Kirche in Münster steht, dem Lärm und den Abgasen der Stadt ausgesetzt? Die Antwort darauf wäre einfach: Als Protestant gehört er natürlich nicht in diese katholische Kirche, drei Männer, die es mit ihrem Protest gegen die katholische Kirche – weit vor seiner Zeit – nun, man darf wohl sagen, übertrieben hatten, hängen heute noch in Käfigen vom Turm dieser Kirche. Nein, inzwischen sind die Käfige leer, niemand muss sich noch die Knochen ansehen, die Käfige reichen als Mahnung, als Drohung für die Zweifler, Rebellen und Protestanten. Doch zurück zu unserem Denker, der sich auch fragen könnte, wieso er, dessen Haltung zum Christentum mit der Haltung, die er auf dem Bild einnimmt, schon ganz gut beschrieben sein könnte, überhaupt mit einer Kirche verbunden worden ist. Oder denkt er vielleicht darüber nach, ob er mal in die Kirche gehen sollte?

Sie und ich, wir wissen natürlich, dass dieser Mann überhaupt nicht nachdenkt. Dieser Mann ist schließlich ein Stein und Steine, nehme ich zumindest an, denken nicht. Eine ganz andere Frage stellt sich: Wieso hat ihn die Kirche dort aufgestellt? Als Beleg dafür, dass, auch wenn wir nichts mit ihr zu tun hatten, sie uns immer noch vereinnahmen kann, sobald wir uns nicht mehr dagegen wehren können?

 

Advertisements

4 Gedanken zu “Draußen vor der Tür

  1. Goethe hat ja wo er ging und stand was gedacht, und meistens ist sogar bekannt, was wo. Könnte er in der Kirchentür nicht einfach mal ein Nickerchen gemacht haben – eingeschlafen über die eigene Unentschlossenheit: Geh‘ ich rein oder geh‘ ich nicht rein?

    Gefällt 1 Person

  2. 1792 hat er in Warendorf übernachtet, vorher in Münster Anna Amalia Fürstin von Gallitzin besucht und vermutlich zwei bis drei Gedichte verfasst, einen Roman skizziert und tiefsinnige Gedanken über naturwissenschaftliche Phänomene geäußert. Wie war es nur möglich, dass er zu jener Zeit so allgegenwärtig war? Aber vielleicht waren es gerade die langen Reisen, die ihm Raum für Kreativität boten. Zu Warendorf ist ihm aber wohl nichts eingefallen.

    Gefällt mir

    • Oder besser vor der Tür bleibt, wenn man eigene Gedanken entwickeln möchte? Nein, so böse war das wohl nicht gemeint, ich denke, dass man sich einerseits mit Goethe schmücken, ihn andererseits aber auch damit ehren wollte. Was böse Geister dann daraus machen würden….

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s