Jede Menge Sterne

Ich habe schon erwähnt, dass wir in Urlaub waren. Manche mögen es komfortabel, wenn sie in die Fremde aufbrechen, aber dann will ich anschließend nicht wieder nach Hause. Andere mögen es spartanisch, aber dann kann ich ja gleich zuhause bleiben.

Manche wollen sehr weit weg, das dauert mir aber zu lange und dann ist da auch alles so fremd. Andere wollen lieber in der Nähe bleiben, aber wozu dann überhaupt wegfahren?

Habe ich schon erwähnt, dass ich es nicht so mit Bergen habe? Also in Leer, einer wunderschönen Stadt in Ostfriesland, ist der Plytenberg die höchste Erhebung: stolze neun Meter! Ich habe dort gelebt, nein, nicht auf dem Plytenberg, sondern in Leer – und der macht wirklich was her, weil alles andere flach ist. Flachland halt. Neun Meter sind okay.

Hitze vertrage ich nicht.

Ich kriege schon einen Sonnenbrand, während ich die Flasche mit dem Lichtschutzfaktor 100 nicht aufbekomme. Dieser Lichtschutzfaktor reicht für meine Frau bei einmaligen Einreiben für den ganzen Sommer, für mich für eine Viertelstunde, aber nur, wenn ich das Haus nicht verlasse. Okay, das war übertrieben. Es reicht für eine halbe Stunde. Kälte? Wintersport? Nicht mal im Fernsehen. Es reicht mir, wenn man mir von Schnee erzählt. Ich muss nicht jede Erfahrung machen. Schließlich habe ich Phantasie, wenn nicht inhaltlich, dann doch wenigstens bei der Rechtschreibung.

Am Strand bin ich schon gern, nur der Sand… überall Sand, zwischen den Zehen und zwischen den Zeilen. Also Lesen geht nicht gut, vor allem auch wegen der von der Sonnenmilch klebrigen und dann auch noch sandigen Finger: Ich hasse es, wenn meine Bücher schmuddelig werden, Eselsohren kriegen, Risse im Umschlag.

Wir sind trotzdem verreist. Mit dem Auto, dann mit dem Fahrrad und – wie auch schon mal geschildert – mit ganz wenig Gepäck. Ich hatte schon erwogen, mir in jeder Stadt ein Buch zu kaufen. Nein, das war nicht ganz richtig formuliert. Ein- und dasselbe Buch in jeder Stadt, dann muss ich es nicht in der Satteltasche als Ballast rumschleppen und versaue es nicht, kann aber jeden Abend drin lesen. Ich hab mich dann nicht getraut, ich fahr ja nicht allein.

Zelten haben wir aufgegeben, es würde zu weit führen, das jetzt zu erklären, aber es gibt Hotels, die muss man gesehen, die muss man erlebt haben. Das eigentliche Gästehaus war dreigeschossig und unser Zimmer lag im zweiten Stock. Es gab nur rund zwanzig Zimmer… aber wir fanden unser Zimmer nicht. Treppe rauf, Treppe runter. Kleiner Gang, dann eine Tür, ein Balkon, eine Tür, eine Treppe, hoch, runter, ein Gang, waren wir hier schon mal? Nein, andere Zimmernummern. Weiter. Steile Holztreppen, die parallel zueinander verlaufen, Spiegel am Ende des Ganges. M.C. Escher hätte seine Freude gehabt. Wir haben dann im Hof …

Nein, schließlich fanden wir das Zimmer, eingerichtet mit so einer leicht angenagten Eleganz. Das Telefon aus Porzellan. Die Klimaanlage aus… nein, einfach aus. Hinter dem plüschigen Bett ein Band, das von der Decke hing, ich kannte das von meiner Großmutter. Sie zog daran, dann erlosch die Schlafzimmerlampe. Sehr schlau, sie brauchte nicht im Dunklen ins Bett zu gehen und nicht aufstehen, um das Licht auszumachen. Nur war in unserem Hotelzimmer keine Deckenleuchte. Ich habe das Band natürlich ausprobiert.

Aufs Bett gelegt,am Band gezogen. Prompt ging die Sonne unter.

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2 Gedanken zu “Jede Menge Sterne

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