Eine Nummer kleiner

Inzwischen habe ich mich auf allerlei Seiten umgesehen und festgestellt, dass viele Schreibende einen Roman verfassen möchten.

Warum muss es denn immer gleich ein Roman sein?

Dagegen ist zunächst mal ja auch überhaupt nichts zu sagen. Eine eigenständige Veröffentlichung ist eine tolle Sache, die Spiegel-Bestsellerliste, der deutsche Literaturpreis oder eine lobende Erwähnung bei Denis Scheck: Ich will das alles auch, am liebsten sofort.

Mir geht es allerdings so, dass ich Texte mit einer Länge von zehn oder auch zwanzig Normseiten gerade mal bewältigen kann – also die Figuren zusammenhalten, die Geschichte vorwärts bringen und am Ende mit einem Knalleffekt und heiler Haut wieder aus der Nummer raus komme. Natürlich missgönne ich jedem seinen Erfolg und würde schon gern ein allgemeines Schreibverbot verhängen, damit die Nachfrage nach meinen Texten dramatisch ansteigt, doch auch bei mir ist es so, dass ich ganz hervorragende Anfänge für Geschichten in meinen digitalen Schubladen aufbewahre. Ein weißes Blatt kann Angst machen – aber ein guter Anfang ist auch nicht mehr als ein guter Anfang.

Schreiben ist vielleicht eine Kunst aber ganz sicher auch ein Handwerk, da sollten wir nicht gleich mit einem Meisterstück beginnen wollen.

Puh… jetzt ist es raus. Nun die frohe Botschaft: Es ist auch viel leichter, eine Kurzgeschichte in einer Anthologie zu veröffentlichen. Schaut euch im Netz um, es werden ständig Texte gesucht und nichts ist geiler, als sich das erste Mal gedruckt zu sehen (doch, da war noch …*)
*bitte selbst ergänzen

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10 Gedanken zu “Eine Nummer kleiner

  1. Da kann ich nur zustimmen: es muss nicht gleich ein Roman sein 😉 Als ich gefragt wurde, was ich im Ruhestand tun würde, zählte ich auf … und ergänzte heimlich: einen Krimi schreiben. Ich hatte sogar schon Ideen und habe mich theoretisch mit dem Schreiben beschäftigt. Und als ich dann endlich viel Zeit hatte, auch zum Lesen, fiel mir auf, dass ich nicht genügend Talent habe und dass ich das eigentlich gar nicht will. Trotzdem schreibe ich gerne und das tue ich auch, für mich in einem Papiertagebuch ohne irgendeinen Anspruch (außer dass es mir Spaß machen soll) und die ein oder andere Geschichte gibt es auch. Ich sollte sie mal in Form bringen …
    Grüße aus Köln 🙂

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    • Hallo Ingrid,
      wir kommen gerade aus dem Urlaub zurück, deshalb auch meine späte Reaktion. Ja, die Niederlande waren bei uns jetzt auch wieder dabei, diesmal Groningen und das Old Ambt, die Region um Winschoten.
      Zu deinem Kommentar: Geschichten in Form bringen ist eine gute Idee, so wie der Appetit beim Essen, kommen die Einfälle beim Schreiben.

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  2. Eine eigenen Text gedruckt zu sehen ist gewiss erhebend, aber es nutzt sich rasch ab. Dem Blogtext kommt öffentliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung eher selten zu. Dafür entschädigt aber die Interaktion mit Lesern, wie sie der Buchautor nicht hat.

    Zun Thema Roman: Im Forum der E-Book-Plattform Neobooks habe ich erstaunt gelesen, dass Leute um Prüfung ihres Romanmanuskripts hinsichtlich Orthographie und Stil baten. Da habe ich mich gefragt, was die Leute treibt, wenn sie nicht einmal ihr Handwerk beherrschen. Andererseits ist es besser als würden sie vor dem Fernseher geistig veröden. Schreiben bildet ja auch.

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  3. Endlich jemand, der sich das auch fragt: „Warum muss es denn immer gleich ein Roman sein?“ Aufgegeben habe ich schon, „Laien“ zu widersprechen, denn weder Gedichte noch Kurzgeschichten sind etwas, was den potentiellen Lesern (hier boshaft als „Laien“ tituliert) aus dem Stand heraus zu einem Buchkauf bewegt. Regelt also die Nachfrage das Angebot? Oder sind die Zeiten der Lyrik und der Kurzprosa einfach vorbei, und ihre Autoren einfach Dinosaurier, die den Einschlag noch nicht gehört haben? Beängstigend finde ich auch, dass diejenigen, die im dreistelligen Bereich Seiten füllen, manchmal gar keine Alternativen kennen gelernt haben: „Was ist denn eine Novelle?“ Und extreme Fluchtinstinkte werden bei mir wach, wenn ich angesprochen werde, da man gerade an einem Buch über sein Leben schriebe, und ob ich es nicht lesen wolle? – Sorry, da kommt der Bus!

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  4. Wenn ich in einem Roman lese, ein Jemand hätte zwei andere Jemande mit vorgehaltener Pistole gezwungen, ihm zu folgen, dann wachsen meine Zweifel am hiesigen Verlags(un)wesen schier ins Unermessliche. Ich stelle mir den Zug plastisch vor, wie einer die Pistole von sich streckt und ihm die anderen mit erhobenen Händen folgen. Da frage ich mich: Warum überhaupt Romane, wenn so ein Unsinn durchgeht? Was natürlich grob ungerecht ist. Also drücke ich sofort ein Auge zu und sage mir: Wenn es jemand schafft, mich als Leser in seine Illusion mitzunehmen, ist alles gut. Einem Lawrence Sterne, einem Flann O’Brian oder einem Karl Valentin oder einem E.T.A. Hoffmann würde ich jeden Fehler verzeihen, so wie ich übrigens auch der Columbo-Reihe jeden Fehler verzeihe. Ach was, ich verzeihe sie nicht nur, ich delektiere mich an ihnen sogar. Damit aber bin ich bei einem anderen Problem gelandet: Seit ich mich von den Genannten (bei E.T.A. Hoffmann vor allem von seinem Kater Murr) habe betören lassen, langweilen mich Romane fast nur noch. Da ist mir die kurze Form sowohl in Prosa oder Poesie bedeutend lieber, weil hier oftmals schon die Sprache Freude bereitet. Und wenn’s nix war, dann hat man nicht viel Zeit verplempert, wie der verblichene Robert Gernhardt auf Gedichte bezogen einst so treffend herausgearbeitet hat.

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